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Neue Pfarrerin in Flensungen

Verena Reeh macht die Fenster für die Gemeinde auf

StenderJunge Frau entzündet eine KerzeDerzeit macht Verena Reeh in der Merlauer Kirche die Kerzen nur für Video-Gottesdienste an

Montags und mittwochs lädt Verena Reeh nachmittags zum Plausch und Tee ans offene Fenster ein. Wer etwas mit der neuen Pfarrerin von Merlau und Flensungen persönlich besprechen möchte, kann das hier spontan tun, ohne die Corona-Regeln zu verletzen. Beim Fensterplausch hofft sie, die Menschen ungezwungen kennenzulernen.

Tatsächlich hat sie auch schon Besucher am Fenster begrüßen können. Aber die Kontakte in die Gemeinde fehlen ihr schon, hat sie sich doch vorgenommen, in den ersten Wochen in der neuen Gemeinde darauf zu hören, was die Merlauer und Flensungen brauchen. Dabei hatte sie angesichts der Umstände mit diesem Anfang noch Glück, findet die 36jährige gebürtige Odenwälderin. Immerhin war ihr Vorgänger noch da, als sie im Dezember aus Rheinhessen an den Rand des Vogelsbergs umzog, und konnte ihr wertvolle Tipps geben.

Lob für die Kirchenvorstände

Als Glück empfindet sie auch die Zusammenarbeit mit den beiden Kirchenvorständen und ihren Vorsitzenden. Die Vorbereitung für die Kirchenvorstandswahl, die Aufzeichnung der Sonntagsgottesdienste, die Konfiarbeit – schnell wurden gemeinsame Lösungen gefunden.

Karnevalistisch auf der Kanzel

Besonders gefreut hatte sich Verena Reeh auf die Fastnachtszeit in ihren Gemeinden. Viele Ideen für einen Gottesdienst mit viel karnevalistischem Humor hatte sie bereits. Schon lange weiß sie aus eigener Anschauung, dass Fastnacht in Mücke ganz groß geschrieben wird. Am Anfang ihres Vikariats, das sie in der Kirchengemeinde Treis absolvierte, war sie mit vielen Treisern im Bus zum Fastnachtsumzug nach Mücke gefahren und hatte sich ein Bild davon machen können, was die fünfte Jahreszeit für die Menschen hier bedeutet. Deshalb wird „die fünfte Jahreszeit“ das Thema des Video-Gottesdienstes am Fastnachtssonntag sein und ein deutliches Bekenntnis, dass man in der Kirche auch gern herzlich lachen darf.

Vom Vikariat in Treis profitiert

In ihre Treiser Vikariatsgemeinde, erzählt Verena Reeh, hat sie nach wie vor gute Verbindungen, nicht nur zu ihrem Lehrpfarrer Andreas Lenz. Dass sie ihre Vikariatszeit in der Gemeinde an der Lumda verbrachte, war kein Zufall. Als Theologiestudentin war sie bereits Mitglied der Landessynode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) und hat dort Lenz kennengelernt. Von dem Theologen, der sich nach Reehs Worten „abseits der eingelaufenen Strukturen bewegt“ hoffte sie, „die verrückten Sachen, die kreativen Dinge kennenzulernen“. Sie wurde nicht enttäuscht.

Banklehre und Fußball

Für den Dienst in Merlau und Flensungen fühlt sie sich nicht nur durch das Vikariat in Treis bestens vorbereitet. Auch die Erfahrungen aus der Zeit vor dem Theologiestudium hat ihre Persönlichkeit geprägt und gestärkt, findet sie. In der Banklehre nach der Mittleren Reife lernte sie Arbeit zu strukturieren. Die Erkenntnis, dass sie noch etwas Anderes wollte, als hinter dem Bankschalter stehen, führte zum Abitur an der Abendschule. Kurz vor dem Abitur ging mit einem Kreuzbandriss eine erfolgreiche Zeit als Fußballspielerin zuende, die sie bis in die Hessen-Auswahl geführt hat. Grünberg und seine Sportschule sind ihr deshalb wohlbekannt.

Kirchenvorstand statt Sportplatz

Was aber tun statt Training und Fußballspielen am Wochenende? Die Mutter schlug eine Kandidatur für den Kirchenvorstand. Die 19jährige wurde prompt gewählt. Es folgten ein Sitz im Dekanatssynodalvorstand und die Entsendung in die Kirchensynode. Das Engagement im Ehrenamt machte ihr so viel Freude, dass sie auch gern auf die Kanzel wollte.  So stand sie mit 24 als Prädikantin zum ersten Mal auf der Kanzel. Von da war es – nach einem kleinen Umweg über Mathematik und Physik - nicht mehr weit zum Theologiestudium. Das führte sie nach Marburg, Leipzig und Heidelberg. Nach dem Vikariat in Treis folgte 2019 die Ordination im rheinhessischen Appenheim. Von dort zog es sie im letzten Herbst wieder nach Oberhessen, wo sie sich von den Kolleginnen und Kollegen herzlich aufgenommen fühlt.

Gemeinden können Kreativität entdecken

„Natürlich ist jetzt mit Corona alles anders als ich es mir vorgestellt habe“, sagt die junge Pfarrerin. Pfarrerinnen und Pfarrer seien gerade in schwierigen Zeiten besonders gefordert. Gleichzeitig sieht sie in der Pandemie aber eine „Chance für die Gemeinden, ihre Kreativität zu entdecken“. Die Teestunden am Gemeindehausfenster sind da nur der Anfang. Für schriftliche Anliegen hat sie Briefkästen an den Eingängen der Gemeindehäuser anbringen lassen. „Seelsorgegespräche können auch im Freien, beim Spaziergang geführt werden“, findet sie. Dazu kann man sich mit ihr einfach telefonisch verabreden.

Konfirmandenunterricht diesmal auf dem Friedhof

Weil unser Gespräch an einem Dienstagnachmittag stattfindet, hat sie es auf einmal eilig – Verabredung mit einem Konfirmanden auf dem Friedhof zum Gespräch über Sterben und Tod. Für den kreativen Umgang mit der Konfirmandenarbeit erfährt sie positive Reaktionen. Die erhofft sie sich auch von den Schülerinnen und Schülern in den beiden Grundschulen, in denen sie seit Beginn des zweiten Schulhalbjahrs Religionsunterrricht erteilt.

Und dann schwingt sie sich und ihre große Tasche aufs E-Bike und radelt durch den nasskalten Winternachmittag Richtung Friedhof.

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