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Dekanin Barbara Alt geht in den Ruhestand

Das hat sie so gewollt

StenderBarbara Alt im heimischen ArbeitszimmerBarbara Alt im heimischen Arbeitszimmer

Pfarrerin und Dekanin, Mitgründerin und Geschäftsführerin der Hungener Tafel, Gesicht der Hungener Ottilienstiftung, früher auch Organistin und Chorleiterin. Mit Barbara Alt geht eine vielseitig interessierte und engagierte Theologin in den Ruhestand. Am Sonntag, den 20. Dezember 2020, wird sie in einem Online-Gottesdienst in Hungen (www.ev-kirche-hungen.de) und einem hybriden Gottesdienst in Lich (www.digitalekirche.online) aus dem Dienst in Gemeinde und Dekanat verabschiedet.

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Dekanin Alt und Isolde Zimmer Ehrung für den Besuchsdienst beim Jubiläum Dekanin Alt, Pfarrer Bubel und Pfarrerin Martini Barbara Alt als Maria Sibylla Merian im gut besetzten Grünberger Kino Dekanin Alt verwandelt sich mit Hilfe von Gertraud Brühl und Anja Schwab in Fürstin Ottilie

Ihren Abschied vom Dekanat und den Kirchengemeinden nach 37 Jahren als Gemeindepfarrerin und 16 Jahren als Dekanin hatte sich die 1955 in Hamburg geborene Barbara Alt allerdings anders vorgestellt. Eigentlich wollte sie noch einmal in allen Kirchengemeinden im Dekanat Hungen predigen, bevor sie offiziell Ende Januar 2021 in den Ruhestand geht. Dazu hatte sie sich eine Predigtreihe „Wozu (noch) Kirche?“ überlegt. Dieses Vorhaben ist teilweise der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen - wie der Abschiedsgottesdienst mit anschließendem Empfang, mit dem sie sich von Kolleginnen und Kollegen und Weggefährten und Weggefährtinnen aus Studien- und Berufsjahren verabschieden wollte.

Jugendliches Austoben war nicht ihr Ding

Diesmal nämlich geht es ausnahmsweise nicht nach ihrem Kopf. Denn bisher verlief in ihrem Leben alles weitestgehend so, wie sie sich das vorgestellt hatte. „Das wollte ich so“, betont sie zum Beispiel, als es um ihre Entscheidung geht, kurz vor dem Abitur mit knapp 19 den 14 Jahre älteren Pfarrer Otto Alt zu heiraten, den sie vor genau 50 Jahren in der Offenbacher Markusgemeinde kennengelernt hatte. Sie war dort in der Kindergottesdienstarbeit und im Kirchenchor aktiv, er wurde dort vor 50 Jahren ordiniert. Im Offenbacher Kammerchor haben sie außerdem gemeinsam gesungen. Viele gemeinsame Interessen und Themen führten 1973 zur Verlobung und 1974 – zwischen schriftlichem und mündlichem Abitur – zur Heirat und zum Umzug nach Viernheim, wo Otto Alt im April 1974 eine Pfarrstelle übernommen hatte. Pfarrfrau mit 19? Das habe sie genauso gewollt; was man so jugendliches Austoben nennt, sei nie ihr Ding gewesen.

Chorsingen, Orgelmusik und Theologie

„Ich wäre nicht das, was ich bin, wenn Otto mir nicht über den Weg gelaufen wäre“, gibt Barbara Alt freimütig zu. Aber nur Pfarrfrau bleiben wollte sie auch nicht. Volkswirtschaft wäre eine Möglichkeit gewesen, aber dazu hätte sie besser sein müssen in Mathematik. Und dass es trotz großer Freude an Chorsingen und Orgelunterricht auch nicht die Kirchenmusik wurde, lag an den fehlenden theoretischen Grundkenntnissen. Bei der Theologie fühlte sie sich „mit einem Theologen als Ehemann“ auf der sicheren Seite. Während des Studiums in Heidelberg und Marburg kamen die zwei Töchter Esther und Anna auf die Welt; im September 1978 war die Familie ins Obere Edertal nach Dodenau umgezogen. Dort setzte sie mit Frauen- und Chorarbeit fort, was sie in Viernheim schon begonnen hatte.

Ein empörendes Angebot

Im damaligen Dekanat Biedenkopf wurde sie Mitglied im Dekanats-Frauenteam und samstags fuhr sie nach Frankfurt zur Chorleiterausbildung. Der Kirchenchor und ein Flötenkreis rundeten die Tätigkeiten in der Kirchengemeinde Dodenau ab. Nach dem Vikariat in der Kirchengemeinde Battenfeld und in der Suchtkrankenhilfe in Eifa teilte sie sich – damals ein neues Modell in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau – die Pfarrstelle in Dodenau mit ihrem Mann Otto, unterbrochen durch drei Jahre Beurlaubung nach der Geburt des Sohnes Jonathan. Noch heute empört sie sich darüber, dass ihr die Kirchenverwaltung zunächst eine Beauftragung als Prädikantin angeboten hatte. Die Stellenteilung war dann der Kompromiss, mit dem sie in die Arbeit als Pfarrerin einsteigen konnte.

In Reddighausen Spuren hinterlassen

Ab 1988 war sie hauptsächlich für den Filialort Reddighausen zuständig. Auch dort hat sie bis heute sichtbare Spuren hinterlassen. Sie hat das Gemeindehaus eingerichtet und einen Frauenkreis für verwitwete Frauen gegründet, „damit sie wieder am Leben teilnehmen konnten“.

Wechsel nach Hungen

Die zwei halben Stellen sahen die beiden Alts, obwohl sie sich in Dodenau sehr wohlfühlten, jedoch nicht als gemeinsames Zukunftsmodell. So wechselten sie 1993 nach Hungen, wo Otto Alt eine Pfarrstelle, Barbara Alt eine Zweidrittel-Pfarrvikarstelle bekam. Für die Gottesdienste und die Arbeit im Kirchenvorstand entwickelten sie ein eigenes Arbeitsmodell, das sich veränderte, als Barbara Alt 1998 teilweise die Vakanzvertretung für die Kirchengemeinden Rodheim und Langd übernahm. Im Jahr 2000 war sie mit der Aufstockung ihrer Stelle um 1/3 zum ersten Mal Pfarrerin mit ganzer Stelle und für die nächsten drei Jahre allein für zwei Kirchenvorstände zuständig. „Rodheim und Langd sind seitdem meine Zweitgemeinden“, sagt sie.

Mehr Verantwortung auf Dekanatsebene

Mehr Verantwortung auf Dekanatsebene hatte sie schon ein paar Jahre vorher angestrebt. Bevor sie jedoch stellvertretende Dekanin im Dekanatssynodalvorstand werden konnte, musste sie „so eine Diskriminierungsgeschichte“ erleben: Da sie formal keine Inhaberin einer Pfarrstelle war, konnte sie nicht gewählt werden. Über ihr Engagement in der Frauenarbeit ergab sich schließlich die Möglichkeit der Entsendung durch die Frauenhilfe in den Beirat zur Förderung der Gemeinschaft von Frauen und Männern in der Kirche. Um sich für ein Leitungsamt zu qualifizieren, nahm sie von 2002 bis 2003 am Pilotprojekt „Mentoring für Frauen in der Kirche“ der EKHN teil. So fühlte sie sich gut vorbereitet auf die Kandidatur für die Dekanestelle im Dekanat Hungen. Im November 2003 gewählt, trat sie die Stelle am 1. Mai 2004, ihrem 49. Geburtstag, an. Seitdem wurde sie zweimal im Amt bestätigt. Sie gehörte damit zur ersten Generation der hauptamtlich tätigen Dekane.

Gesicht der Hungener Tafel

Bei ihrer Wahl zur Dekanin hatte sie sich vorgenommen, „das Gesicht des Dekanats“ zu werden. Ob ihr das gelungen ist, weiß sie nicht. Ganz sicher wurde sie aber das Gesicht der Hungener Tafel, die sie 2005 mitgegründet hat. Bis Anfang dieses Jahres hatte sie nicht nur die Geschäftsführung inne, sondern stand auch selbst regelmäßig bei Ausgabeterminen neben anderen Ehrenamtlichen oder war beim Packen der Weihnachtstüten dabei. Die Geschäftsführung hat jetzt Tobias Lux übernommen, der für die Diakonie die Tafeln im Kreis Gießen koordiniert. In der Ausgabe im Kontakt mit den Kunden wird man Barbara Alt aber weiterhin antreffen.

Herzensangelegenheit Ottilienstiftung

Ihr Gesicht und ihre Person stehen außerdem für die Ottilienstiftung der Kirchengemeinde Hungen. Im Kostüm der Solms-Braunfelser Adligen trat sie immer wieder bei Fundraising-Veranstaltungen der Stiftung oder der Kirchengemeinde auf. Die Rechnung ging auf: Das Stiftungsguthaben hat sich so weit vermehrt, dass damit die sieben Wochenstunden einer Alltagsbegleiterin für alte und pflegedürftige Personen finanziert werden können. Die Ottilienstiftung wird Barbara Alt auch im Ruhestand weiter begleiten und sie hat auch schon konkrete Pläne: 2022 soll ein jetzt ausgefallenes Ottilienspiel an das Wirken der Stiftungs-Namensgeberin erinnern.

Vespern in der Paradieskapelle

Weitermachen will sie, zunächst für ein Jahr, mit den musikalischen Vespern in der Paradieskapelle des Klosters Arnsburg. Mit diesem themengebundenen Angebot mit einem hochwertigen musikalischen Programm hat sich das Dekanat eine echte Fangemeinde herangezogen, die zum Teil von weit her zu den monatlich angebotenen Veranstaltungen kommen. In diesem Jahr stehen biblische Frauengestalten, „Gottes starke Töchter“ im Mittelpunkt, ein Thema, das Barbara Alt mit ihrer Neigung zur feministischen Theologie sehr entgegen kommt. Beenden muss sie die Arbeit für die Jugendwerkstatt Gießen, deren Gesellschafterversammlung sie leitete, und ihre Mitgliedschaft im Verwaltungsrat des Regionalen Diakonischen Werks Gießen.

Viele weitere Aufgaben

Zehn Jahre Leitung des Hungener Kirchenchors, Mitglied im Partnerschaftsausschuss mit der indischen Partnerdiözese Krishna Godavari mit mehreren Besuchen in Südindien, Mitarbeit in der Ausbildung von Prädikantinnen und Prädikanten in der Arbeitsgemeinschaft der Dekanate Grünberg, Hungen und Kirchberg gehören ebenfalls zum großen Tätigkeitsfeld der Pfarrerin und Dekanin. Nicht zuletzt ist sie eine der treibenden Kräfte bei der Fusion der drei Dekanate, die sie nun nicht mehr als Dekanin erleben wird. Vertretungsdienste in den Kirchengemeinden des Dekanats, Gottesdienste in den Altenpflegeeinrichtungen der Diakonie in Hungen und Lich standen ebenfalls auf dem Tagesprogramm, das auch bis in die späten Nachtstunden dauern konnte. 

Klagen über die hohe Arbeitsbelastung erwartet man bei Barbara Alt indes vergeblich, denn auch hier gilt ihr Satz: „Ich wollte es so.“

 

 

 

 

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