KI/Dekanat Gießener Land

Viele Ideen für die Praxis: ekhn2030 und das kleine Dorf

Omnibusgottesdienst, Pilgern von Dorf zu Dorf, Stempelkarten für Kirchenbesuche - das sind nur wenige Beispiele aus dem Bericht von Pfarrerin Cordula Michaelsen über ihre Studienzeit mit dem Titel "ekhn2030 und das kleine Dorf. In unseren Kirchen geht das Licht nicht aus".

In ihrer Studienzeit hat Pfarrerin Cordula Michaelsen darüber geforscht, wie kleine Dörfer auch mit den Veränderungen, die "ekhn2030" mit sich bringen wird, ihr kirchliches Leben erhalten können. Sie fand dabei an verschiedensten Orten kreative und praktikable Ideen.

In ihrem Bericht hat sie die Ergebnisse zusammengetragen. Dazu gehören auch Beispiele, Anleitungen, Gottesdienstabläufe, Ideen für Advent und Weihnachten, die den Gemeinden nicht nur als Anregungen dienen, sondern gleich genutzt werden können.

Gesamtkirchengemeinde Grünberger Land

Pfarrerin Cordula Michaelsen (cordula.michaelsen@ekhn.de

Hier finden Sie die Studienarbeit von Pfarrerin Cordula Michaelsen zum Download.


Wie kann Kirche im ländlichen Raum auch in Zukunft lebendig bleiben? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Studienarbeit von Pfarrerin Cordula Michaelsen im Kontext des Reformprozesses ekhn2030 der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN).

Im Mittelpunkt stehen Kleinstgemeinden im Dorf – Gemeinden mit oft wenigen hundert Mitgliedern, aber einer starken Identität, gewachsenen Beziehungen und hoher Verbundenheit. Gerade diese Gemeinden stehen vor großen Veränderungen: Durch die Bildung von Nachbarschaftsräumen (NBR) werden Strukturen neu organisiert und kirchliche Arbeit stärker vernetzt.

Kirche im Wandel: Chancen und Herausforderungen von ekhn2030

Mit ekhn2030 entsteht eine neue Form von Kirche: Verkündigungsteams aus Pfarrer:innen, Kirchenmusiker:innen und Gemeindepädagog:innen arbeiten künftig gemeinsam für mehrere Gemeinden.

Doch die zentrale Frage bleibt: Wie kann die vertraute Gemeinschaft im Dorf erhalten bleiben – und gleichzeitig Neues entstehen?

Die Erfahrungen zeigen:

  • Zentrale Gottesdienste werden nicht automatisch angenommen
  • Menschen bleiben ihrer eigenen Dorfkirche emotional verbunden
  • Gemeinschaft vor Ort ist ein entscheidender Faktor für gelebten Glauben

Darum braucht es beides: Regionale Zusammenarbeit im Nachbarschaftsraum und lebendige kirchliche Angebote direkt im Dorf.

Die Stärke der Kleinstgemeinde

Kleine Gemeinden sind mehr als nur „Versorgungsorte“. Sie sind:

  • Orte gelebter Gemeinschaft und Vertrauen
  • sozialer Treffpunkt im Dorf
  • Raum für niedrigschwellige Beteiligung
  • Keimzellen einer lebendigen Kirche

Die zentrale Erkenntnis der Studienarbeit: Kleinstgemeinden sind keine Auslaufmodelle – sondern wichtige Bausteine der Kirche der Zukunft.

Neue Wege für Kirche im Dorf

Die Arbeit stellt zahlreiche praxisnahe Modelle für Gemeindeleben im kleinen Rahmen vor – viele davon ohne großen Aufwand umsetzbar und auch für Ehrenamtliche geeignet.

Beispiele für innovative Formate:
  • Feierabendpilgern: Gemeinsam unterwegs sein, zur Ruhe kommen, Glauben im Alltag erleben
  • Offene Kirche & Plauderbank:  Niedrigschwellige Begegnungsorte mitten im Dorf
  • „Brot und Sinne“: Gemeinschaft erleben mit Essen, Musik und geistlichen Impulsen
  • Samstags um 6: Kurze thematische Abende mit Musik, Texten und Austausch
  • Gottesdienst-Werkzeugkasten: Hilfen, um Andachten und Feiern eigenständig zu gestalten
  • Advents- und Weihnachtsformate: Kreative Ideen wie Adventskranz-Andachten, Weihnachtswege oder Stallweihnacht

Diese Formate zeigen: Kirche kann auch ohne großen organisatorischen Aufwand lebendig sein.

Ehrenamt stärken – Kirche gemeinsam gestalten

Ein zentrales Anliegen ist die Stärkung des Ehrenamts. Viele der vorgestellten Modelle sind bewusst so gestaltet, dass sie:

  • ohne theologische Spezialausbildung möglich sind
  • flexibel und spontan organisiert werden können
  • Menschen ermutigen, selbst aktiv zu werden

Denn Kirche lebt nicht nur von Hauptamtlichen – sondern von Menschen, die ihren Glauben vor Ort gestalten.

Gemeinsam wachsen im Nachbarschaftsraum

Neben der Stärkung der Dorfkirche braucht es auch neue Formen der Zusammenarbeit im NBR, z.B.:

  • gemeinsame Gottesdienste und Aktionen
  • Pilgerangebote zwischen den Orten
  • kreative Begegnungsformate wie „Running Service“
  • Projekte zum gegenseitigen Kennenlernen

Ziel ist es, dass Menschen sagen können: „Ich bin nicht nur in meinem Dorf zuhause – sondern in der ganzen Region.“

Kirche sein – heute und morgen

Die Studienarbeit macht deutlich: Kirche darf sich verändern – aber sie darf ihren Kern nicht verlieren.

Kirche bleibt dort lebendig, wo:

  • das Evangelium verkündet wird
  • Gemeinschaft erfahrbar ist
  • Menschen Sinn, Hoffnung und Orientierung finden

Oder anders gesagt: Wo Menschen Glauben leben – dort geht das Licht der Kirche nicht aus.

Fazit: Eine Kirche in Vielfalt

Die Zukunft der Kirche liegt nicht in einem „Entweder-oder“, sondern in einem „Sowohl-als-auch“:

  • große Strukturen und kleine Gemeinschaften
  • zentrale Angebote und lokale Initiativen
  • Hauptamtliche und engagierte Ehrenamtliche

Die Vision von Cordula Michaelsen: Eine Kirche, die auf allen Ebenen lebt, wächst und Menschen erreicht – im Dorf wie in der Region.