Bereits im Vorfeld war die Bedeutung dieses Moments im Gemeindehaus in Londorf spürbar. Rund 40 Vertreterinnen und Vertreter aus Kirchenvorständen, Steuerungsgruppe und Verkündigungsteam kamen zusammen, um auf den gemeinsamen Weg zurückzublicken – und nach vorn zu schauen.
„Es war ein langer, oft auch holpriger Weg – heute haben wir unser erstes Ziel erreicht“, sagte Elsbeth Hedrich, Vorsitzende des Kirchenvorstands Londorf, zur Begrüßung. Ihre Worte machten deutlich, wie viel Arbeit, Diskussion und auch Geduld hinter der nun erfolgten Vertragsunterzeichnung stehen.
Den geistlichen Rahmen setzte Pfarrer Frank Leissler mit einer Andacht zu Psalm 127. Er erinnerte daran, dass der Prozess von Mühe, Zeit, Sorgen und Hoffnungen geprägt gewesen sei. „Ohne Gottvertrauen wird es nicht gehen. Wir schaffen es nur gemeinsam“, betonte er.
Hintergrund der Fusion ist ein umfassender Reformprozess der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN). Sinkende Mitgliederzahlen, weniger Personal und begrenzte finanzielle Mittel stellen die Kirche vor große Herausforderungen. Deshalb sollen Gemeinden künftig enger zusammenarbeiten und sich neu organisieren.
Im Lumdatal haben sich die Verantwortlichen dabei bewusst für den weitreichendsten Schritt entschieden: die Fusion. Neben lockereren Formen der Zusammenarbeit fiel die Entscheidung auf eine gemeinsame Kirchengemeinde, in der die bisherigen sechs Gemeinden rechtlich zusammengeführt werden. Verwaltung, Finanzen und Entscheidungen werden gebündelt, künftig gibt es einen gemeinsamen Kirchenvorstand.
Für viele Menschen vor Ort heißt das jedoch nicht, dass „ihre“ Kirche verschwindet. Die Gruppen und Traditionen in den einzelnen Orten bleiben bestehen. Gleichzeitig wird es Veränderungen geben: Ein gemeinsames Gemeindebüro ist geplant, ebenso ein gemeinsamer Gemeindebrief. Auch die Arbeit mit Konfirmandinnen und Konfirmanden und die Zusammenarbeit der hauptamtlich Mitarbeitenden werden neu organisiert.
Spürbar wird der Wandel auch im Gottesdienstleben. Künftig wird es nicht mehr in jedem Ort zu jeder Zeit Angebote geben können. Stattdessen wächst die Bereitschaft, auch Veranstaltungen in den Nachbarorten zu besuchen.
„Wir wachsen zusammen – bewusst und Schritt für Schritt“, heißt es aus der Steuerungsgruppe. Dabei bleibe ein wichtiges Ziel bestehen: die Vielfalt zu erhalten. „Wir bleiben bunt“ – unterschiedliche Formen von Gottesdiensten, Projekten und besonders die Kirchenmusik sollen weiterhin ihren Platz haben.
Klaus Felgenhauer, Vorsitzender der Steuerungsgruppe, zog in seinem Rückblick eine positive Bilanz. Seit der ersten Sitzung im Februar 2025 sei viel erreicht worden. Schon zuvor hatten gemeinsame Gottesdienste im Nachbarschaftsraum das Zusammenwachsen gefördert. „Mit offenem Herzen sind wir gestartet“, sagte er. Besonders herausfordernd sei die Frage nach der zukünftigen Nutzung der Gebäude gewesen: „Das hat uns ordentlich hin und her geschüttelt.“ Dennoch habe man gemeinsam gute Lösungen gefunden – von der Namensgebung bis zur Wahl der Rechtsform. „Es ist doch sehr viel, was wir geschafft und mit viel Kraft vorangetrieben haben“, so Felgenhauer. Die vielen einzelnen Schritte seien wie ein Mosaik, das sich nun zu einem Gesamtbild füge.
Mit der Vertragsunterzeichnung ist dieses Bild nun ein gutes Stück klarer geworden. Gleichzeitig beginnt eine neue Phase: Die konkrete Ausgestaltung der Zusammenarbeit, organisatorische Fragen und die Vorbereitung der Kirchenvorstandswahl 2027 stehen noch an.
Die Richtung aber ist gesetzt. Die Gemeinden im Lumdatal wollen gemeinsam Kirche gestalten – tragfähig, lebendig und offen für die Zukunft.