Anabel Platalla startet in Großen-Buseck

veröffentlicht 19.03.2026, Evangelisches Dekanat Gießener Land

Die evangelische Kirche in Großen-Buseck war bis auf den letzten Platz gefüllt. Bunte Luftballons schwebten unter der Decke, eine Wimpelkette mit der Aufschrift „Herzlich willkommen“ spannte sich durch den Altarraum – und mittendrin eine sichtlich bewegte Anabel Cosima Platalla, die am Sonntag offiziell als neue Pfarrerin der Gemeinde eingeführt wurde.

Es war ein festlicher, herzlicher und zugleich hoffnungsvoller Auftakt nach einer Zeit des Übergangs: Seit dem Weggang von Prof. Dr. Aliyah El Mansy, die eine Professur für Bibelwissenschaften an der Universität Münster übernommen hatte, war die Pfarrstelle mehrere Monate vakant. Umso größer war die Freude, dass sie nun wieder besetzt ist.

„Es kommt mir so vor, als wären Sie schon viel länger hier bei uns“, begrüßte Albrecht Beutelspacher, stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstands, die neue Pfarrerin. „So selbstverständlich sind Sie hier.“ Und tatsächlich: Die Atmosphäre in der vollbesetzten Kirche ließ spüren, dass Platalla längst angekommen ist.

Neben zahlreichen Gemeindemitgliedern waren auch Familie, Freunde und Weggefährten gekommen – sogar aus Hungen, wo Platalla aufgewachsen ist und bereits früh kirchlich aktiv war.

Die Eingangsliturgie gestaltete Pfarrer Thomas Leimbach aus dem Verkündigungsteam des Nachbarschaftsraums Busecker Tal. Barbara Lang, Dekanin im Evangelischen Dekanat Gießener Land, würdigte in ihrer Ansprache die Gemeinde, die die Zeit der Vakanz engagiert überbrückt habe – unter anderem mit der Renovierung des Pfarrhauses. „Es wurde sehr schnell klar: Es passt auf allen Seiten“, sagte sie mit Blick auf die Neubesetzung. Zugleich machte sie Mut für den gemeinsamen Weg: „Es wird nicht alles bleiben, wie es war – aber Sie alle hier strahlen Offenheit und Engagement aus.“

Platallas Weg ins Pfarramt erzählt von besonderen Stationen. „From sky to heaven“, sagt sie selbst augenzwinkernd: Ursprünglich wollte sie Pilotin werden. Ihr Spezialvikariat führte sie schließlich zur Flughafenseelsorge in Frankfurt, wo sie Menschen in besonderen Lebenssituationen begleitete. Auch die Notfallseelsorge liegt ihr am Herzen.

Nach dem Theologiestudium in Marburg, dem Vikariat in Herborn sowie Stationen im Dekanat an der Dill bringt sie vielfältige Erfahrungen mit – von klassischer Gemeindearbeit bis hin zu Seelsorge in Ausnahmesituationen. Zuletzt war sie im Probedienst in Langenaubach tätig, bevor sie nun ins Dekanat Gießener Land wechselte.

Im Zentrum des Gottesdienstes stand die feierliche Segnung: Dekanin Barbara Lang, Pfarrerin Judith Asmus, Pfarrer Michael Böckner sowie Kirchenvorstandsvorsitzende Simone Haupt und Ortwin Fink, ebenfalls Mitglied des Kirchenvorstands, legten Platalla die Hände auf und sprachen ihr Gottes Segen zu. „Wir freuen uns, dass Sie da sind“, sagte Simone Haupt – und betonte: „Die Vielfalt der Menschen macht eine Gemeinde stark.“

In ihrer Predigt nahm Platalla die Gemeinde mit hinein in kraftvolle Worte aus dem Buch Jesaja: „Denn es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen.“ Sie spannte einen Bogen von der Erfahrung des Exils hin zur Gegenwart – zu den „Bergen“ und Herausforderungen im eigenen Leben.

Ihre Botschaft: Gottes Zusage gilt – damals wie heute. Sie ist kein billiger Trost, sondern ein Versprechen, das trägt. Besonders eindrücklich sprach sie davon, dass Gottes Wirken sowohl im Großen als auch im Leisen erfahrbar wird: im gewaltigen Umbruch ebenso wie im „sanften Säuseln“.

„Hören und antworten – in ein Gespräch mit Gott treten“, so beschrieb sie, was ihr für die Gemeinde wichtig ist. Ein Glaube, der lebendig ist, im Austausch wächst und Hoffnung schenkt.

Musikalisch wurde der Gottesdienst vielfältig gestaltet: Kirchenmusiker Benjamin Gail, ein Weggefährte Platallas aus ihrer Zeit im Dekanat an der Dill, berührte mit dem Lied „Du machst alles neu“. An der Orgel spielte Martina Herzberger, Gesang kam unter anderem vom Kirchenchor und dessen Leiter Armin Plewa-Moormann.

Im Anschluss verlagerte sich das Geschehen ins Gemeindehaus – zum fröhlichen Kennenlernfest bei Kaffee, Kuchen und vielen Gesprächen. Zahlreiche Grußworte unterstrichen die Verbundenheit über Gemeindegrenzen hinaus: Busecks Bürgermeister Michael Ranft hieß die neue Pfarrerin willkommen, ebenso ein Vertreter der Johanniter, der ihr – passend zu ihrem ursprünglichen Berufswunsch – einen Flug im Rettungshubschrauber in Gießen in Aussicht stellte. Auch die katholische Gemeinde und das Verkündigungsteam richteten ihre Grüße aus.

Sichtlich dankbar nahm Platalla all das auf: für die liebevolle Vorbereitung, die Musik, die vielen helfenden Hände – und vor allem für die herzliche Aufnahme.

So begann in Großen-Buseck nicht nur ein neuer Abschnitt für eine Pfarrerin, sondern für eine ganze Gemeinde. Einer, der – ganz im Sinne ihrer Predigt – von Hoffnung, Offenheit und dem Vertrauen geprägt ist, dass Gottes Zukunft längst begonnen hat.