Die Kirchenbänke waren voll besetzt, als Pfarrerin Jutta Martini gemeinsam mit Dekanin Barbara Lang und den Kirchenvorständen in die Grüninger Kirche einzog. Familie, Freunde, Weggefährten aus Studienzeiten, aus ihrer langjährigen Zeit auf dem Kirchberg und aus der Asklepios Klinik Lich waren gekommen, um Abschied zu nehmen.
„Sonst bin ich ja die Coole, aber heute bin ich ganz schön aufgeregt“, bekannte Martini gleich zu Beginn des Gottesdienstes. Ein Satz, der viele zum Schmunzeln brachte und zugleich zeigte, wie besonders dieser Tag für sie war.
Seit 2020 war Jutta Martini mit einer halben Stelle als Gemeindepfarrerin in Grüningen tätig. Die andere Hälfte ihres Dienstes führte sie als Klinikseelsorgerin in die Asklepios Klinik Lich. Nun wurde sie offiziell entpflichtet und in den Ruhestand verabschiedet.
Dekanin Barbara Lang würdigte Martini als eine Pfarrerin, die Menschen mit großer Aufmerksamkeit begegnet sei. „Du bist eine gute Zuhörerin“, sagte sie in ihrer Ansprache. Es habe sie immer interessiert, wie Menschen leben, welche Herausforderungen sie bewältigen und was sie bewegt. Über Jahrzehnte hinweg habe sie Menschen an wichtigen Stationen ihres Lebens begleitet: bei Taufen, Konfirmationen, Trauungen und Jubiläen, aber ebenso in Krankheit, Sterben und Trauer. Besonders ihre Fähigkeit, mitzugehen, mitzutragen und Menschen zu ermutigen, habe ihr Wirken geprägt.
„So bist du zum Segen für Grüningen geworden“, sagte Lang und dankte ihr im Namen des Dekanats, des Nachbarschaftsraums und der Kirchengemeinde für ihren Dienst. Dabei erinnerte die Dekanin auch daran, dass Martini sich 2020 noch einmal bewusst auf einen neuen Weg eingelassen hatte. Nach 25 Jahren auf der Pfarrstelle Kirchberg mit Mainzlar und Staufenberg übernahm sie die Kombination aus Gemeindearbeit und Klinikseelsorge – eine Aufgabe, die gleichermaßen herausfordernd wie erfüllend war.
Für ihre Verabschiedung hatte Jutta Martini einen Vers aus dem Johannesevangelium gewählt: „Der Geist ist's, der lebendig macht.“ Dieser Satz zog sich wie ein roter Faden durch den Gottesdienst. Für Barbara Lang beschreibt er auch die Persönlichkeit der scheidenden Pfarrerin: eine Frau, die anpackt, Ideen entwickelt und Menschen zusammenbringt, dabei aber stets darauf vertraut, dass Kirche von Gottes Geist lebt und nicht allein vom menschlichen Tun.
In ihrer letzten Predigt nahm Martini die Zuhörenden mit in ihre Gedanken zur Gegenwart. Sie sprach von einer Welt im Wandel, von Unsicherheit und gesellschaftlichen Spannungen. Mit Zitaten aus Literatur, Musik und Theologie warb sie für Menschlichkeit, Verantwortung, Frieden und Zusammenhalt. „Was würde Jesus dazu sagen?“, fragte sie und ermutigte dazu, sich dieser Frage immer wieder neu zu stellen.
Besonders dankbar blickte Martini auf ihre Zeit in Grüningen zurück. Die Gemeinde habe sie offen aufgenommen und ihr Vertrauen geschenkt. Die Grüninger Kirche, die Musik und das lebendige Gemeindeleben seien ihr schnell ans Herz gewachsen.
In den vergangenen Monaten habe sie zudem bewusst daran gearbeitet, Menschen für die Zeit nach ihrem Weggang zu stärken und Verantwortung zu übertragen. Besuchsdienst, Gottesdienstkreis und viele weitere Gruppen seien Beispiele dafür, wie engagiert die Gemeinde ihr kirchliches Leben selbst gestaltet. „Es erfüllt mich mit Freude zu sehen, wie Menschen selbstständig Initiative ergreifen und Gemeinde gestalten“, hatte sie im Vorfeld ihrer Verabschiedung gesagt.
Der Gottesdienst wurde von zahlreichen musikalischen Beiträgen begleitet. Kinder der Kinderkirche verabschiedeten ihre Pfarrerin mit dem Lied „Ins Wasser fällt ein Stein“ und selbst gestalteten Erinnerungssteinen. Auch der Gesangverein sowie weitere Mitwirkende sorgten für einen festlichen Rahmen.
Bei der anschließenden Feier in der Limeshalle würdigten zahlreiche Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter aus Kirche, Vereinen und Politik das Wirken der Pfarrerin. Zwischen Grußworten, Musik, Kaffee und Kuchen blieb viel Zeit für Begegnungen, Erinnerungen und persönliche Gespräche.
Zum Ende sprach Dekanin Barbara Lang einen Wunsch aus, den viele an diesem Tag teilten: dass Jutta Martini nun Zeit findet zum Ausruhen, Durchatmen und Genießen – und zugleich viele schöne Erinnerungen an ein erfülltes Berufsleben mit in den neuen Lebensabschnitt nimmt.
Mit dem 1. August beginnt für sie offiziell der Ruhestand. Dem Evangelischen Dekanat Gießener Land bleibt sie als geschätzte Kollegin und Weggefährtin verbunden.