Es gibt Orte, an denen sich ein Lebensweg wie von selbst zu einem Kreis schließt. Für Pfarrerin Heike Düver ist ein solcher Ort die evangelische Kirche in Burkhardsfelden. Hier wurde sie getauft, konfirmiert, hier heiratete sie, hier feierte sie ihre Goldene Konfirmation – und hier wird sie nun auch aus ihrem aktiven Pfarrdienst verabschiedet. Am 1. September geht die 66-Jährige in den Ruhestand.
Wer mit Heike Düver spricht, merkt schnell: Bei ihr geht es selten nur um Stellen und Dienstzeiten. Es geht um Menschen, um Begegnungen, um die Frage, was Menschen im Glauben trägt. Und es geht um Orte, an denen etwas wachsen darf.
Vielleicht hat das schon mit ihrer eigenen Kindheit in Burkhardsfelden zu tun. Sonntagsschule, Jungschar, Jugendkreis – der Glaube an Jesus Christus war für Düver von klein auf ein wichtiger Teil ihres Lebens. Besonders der Jugendkreis ist ihr bis heute präsent. „Man hatte dort einen Raum zum Ausprobieren, man hat uns etwas zugetraut“, erinnert sie sich. Spielerisch lernte sie Bibelverse, sammelte Erfahrungen und durfte Fehler machen. Was sie damals mitnahm, trug sie sogar bis ins Theologiestudium: Für ihre Bibelprüfung konnte sie auf vieles zurückgreifen, was sie als Kind gelernt hatte.
Die Arbeit mit Kindern sollte sie später selbst zu einem Schwerpunkt machen. Nach ihrem Theologiestudium in Marburg und dem Vikariat in Mücke-Merlau-Flensungen führte ihr Weg zur Pilgermission St. Chrischona. Fünf Jahre lang war sie dort deutschlandweit in der Arbeit mit Kindern tätig – mit Kinderbibelwochen, Freizeiten und Schulungen für Mitarbeitende in Deutschland und der Schweiz. Es war eine Zeit, in der sie viel ausprobieren und gestalten konnte.
Dann folgte ein Jahr, das ganz anders aussah: ihr Sabbatjahr. Ein halbes Jahr verbrachte Düver in Jerusalem und arbeitete dort im Österreichischen Hospiz mit. Anschließend lebte sie vier Monate im Kloster Gnadenthal in Hünfelden. Begegnungen, Stille, geistliche Erfahrungen – vieles davon konnte sie später in ihre Arbeit als Pfarrerin mitnehmen.
Auch ihr Pfarrvikariat absolvierte sie in der Nähe von Gnadenthal, in Heckholzhausen bei Limburg. 1997 heiratete sie Pfarrer Wolfhard Düver. Gemeinsam zog das Paar nach Norddeutschland, nach Bergen an der Dumme. 2003 ging es wieder zurück nach Hessen. In Bicken bei Herborn fanden beide mit ihren Kindern eine neue Heimat.
Für Heike Düver wurde besonders der Wiedereinstieg 2011 zu einer guten Erfahrung. Mit einer halben Stelle und Springerdiensten konnte sie wieder ins Pfarramt zurückkehren. „Das fand ich super“, sagt sie heute. Später übernahm sie von 2012 bis 2014 ein besonderes Pfarramt für „Herzensbildung“. Meditation, Exerzitien, Kindergottesdienste – wieder ging es darum, Menschen Räume zu eröffnen, in denen sie zur Ruhe kommen und ihren Glauben entdecken konnten.
Gemeinsam mit einem Team entstanden beispielsweise im Gemeindehaus Bicken Gebetsgärten. Verschiedene Stationen luden zur Stille, zum Gebet und zur Meditation ein. Menschen kamen dafür auch von außerhalb. Für Düver war das ein Zeichen dafür, dass die Sehnsucht nach geistlichen Angeboten groß ist.
Überhaupt liegen ihr persönliche Kontakte besonders am Herzen „Mir ist wichtig, die Leute zu kennen, ich brauche die Kontakte“, sagt sie. In Steinbach-Albach bei Fernwald, wo sie von 2014 bis 2023 als Pfarrerin arbeitete, war sie deshalb gerne unterwegs – am liebsten zu Fuß. Sie kannte viele Menschen, kam mit ihnen ins Gespräch und erlebte Gemeinde unmittelbar.
Auch die gemeinsame Arbeit mit ihrem Mann Wolfhard spielte dabei immer wieder eine Rolle. Die beiden haben sich im Pfarrdienst viel geteilt. Wenn sie beispielsweise im Gottesdienst die Liturgie übernahm, predigte er oder umgekehrt. Er unterstützte sie, wo er konnte – für Heike Düver war das eine große Entlastung. Und für die Gemeinde, so sagt sie, sei es zugleich eine Bereicherung gewesen: „Dann hatten sie quasi zwei Pfarrpersonen.“
Ihr Mann blickt deshalb mit etwas Wehmut auf ihren bevorstehenden Ruhestand. Vieles haben die beiden gemeinsam gemacht, gemeinsam erlebt und gemeinsam getragen. Und Wolfhard Düver weiß vor allem eines an seiner Frau zu schätzen: „Heike hatte immer einen Blick für die Menschen, das hat mich tief berührt“, sagt er. Und ihr wurden immer wieder Ideen und Impulse geschenkt, „die so gefunkt haben, dass Leute noch Jahre davon gezehrt haben“.
Diese Fähigkeit, Menschen zu erreichen und etwas anzustoßen, zieht sich durch Düvers beruflichen Weg. Von Steinbach-Albach ging es noch für ein Jahr in den Springerdienst nach Gießen. In den vergangenen drei Jahren war sie dann im Dekanat Gießener Land unterwegs und übernahm unter anderem Vakanzvertretungen in Hungen, Großen-Buseck und Reiskirchen 2. „Die letzten drei Jahre waren noch mal eine schöne Zeit“, sagt sie. Sie habe viel kennengelernt und es habe ihr Spaß gemacht, immer wieder in neue Gemeinden zu kommen.
Nun aber darf es erst einmal ruhiger werden. Seit 2023 leben Heike und Wolfhard Düver wieder in Burkhardsfelden. Sie haben dort ein Haus gekauft und wollen bleiben. Für Heike Düver ist das ein Geschenk. Es gab durchaus Überlegungen, noch einmal in den Norden zu gehen. Doch inzwischen steht fest: „Hier sind wir angekommen.“
Auch ihre sechs Kinder leben heute über ganz Deutschland verteilt. Nun möchten Heike und Wolfhard Düver sie besuchen, Freunde treffen und sich zunächst einmal neu sortieren. „Erst mal jetzt nichts und dann mal sehen“, sagt Heike Düver, wenn sie nach ihren Plänen für den Ruhestand gefragt wird. Sie möchte erst einmal zur Ruhe kommen, Urlaub machen und Zeit haben, für sich zu hören, was als Nächstes dran ist. Ein paar Ideen gibt es schon – aber noch keinen festen Plan.
Und so passt es eigentlich ganz gut, dass ihr Ruhestand genau dort beginnt, wo ihr kirchlicher Lebensweg seinen Anfang nahm. Die Kirche in Burkhardsfelden hat Heike Düver durch viele Stationen begleitet.
Die evangelische Kirchengemeinde Reiskirchen 2, zu der auch Lindenstruth und Saasen gehören, ist für sie dabei längst mehr als ein Ort aus ihrer Vergangenheit. Sie liebt die Lebendigkeit und Herzlichkeit der Gottesdienste, die offene Atmosphäre und auch, dass immer wieder ein bisschen Plattdeutsch zu hören ist. Hier fühlt sie sich zuhause. „Das ist ein großer Segen“, sagt sie.
Am kommenden Samstag, 29. August, um 17 Uhr, wird Pfarrerin Heike Düver in der evangelischen Kirche in Burkhardsfelden aus ihrem aktiven Pfarrdienst verabschiedet. Die Gemeinde und alle, die sie auf ihrem Weg begleitet haben oder sie kennenlernen möchten, sind herzlich eingeladen, diesen besonderen Gottesdienst mit ihr zu feiern.
Für Heike Düver ist es kein Abschied von Kirche, sondern der Beginn eines neuen Abschnitts. Einer, in dem erst einmal Zeit sein darf: für Familie, für Freunde, für Begegnungen – und vielleicht auch für die eine oder andere neue Idee, die irgendwann wieder „funkt“.