Diakonie Hessen fordert entschlossenes Handeln gegen Wohnungsnot

veröffentlicht 10.09.2026, Evangelisches Dekanat Gießener Land

Zum Tag der wohnungslosen Menschen am 11. September macht die Diakonie Hessen auf die anhaltend hohe Zahl wohnungsloser Menschen aufmerksam. Sie fordert mehr bezahlbaren Wohnraum, eine bessere Prävention von Wohnungsverlusten und eine wirksame Begrenzung der Mietpreisentwicklung.

26.455 Menschen waren zum 31. Januar 2026 in Hessen wegen Wohnungslosigkeit in Not- und Gemeinschaftsunterkünften untergebracht. Auf diese Zahl weist die Diakonie Hessen anlässlich des Tags der wohnungslosen Menschen am 11. September hin. Für den evangelischen Wohlfahrtsverband ist klar: Es braucht dringend mehr bezahlbaren Wohnraum und wirksame Maßnahmen, damit Menschen ihre Wohnung gar nicht erst verlieren.

Wir sagen: Es reicht! Jeder Mensch ohne dauerhafte eigene Wohnung ist ein Mensch zu viel. Menschen brauchen ein Zuhause. Wohnen ist ein Menschenrecht und Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe, Gesundheit und ein selbstbestimmtes Leben“, sagt Carsten Tag, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Hessen.

Immer längere Aufenthalte in Notunterkünften

Besonders problematisch ist nach Einschätzung der Diakonie Hessen, dass die Verweildauer in Notunterkünften immer länger wird. Mehr als die Hälfte der unter 18-jährigen wohnungslosen Menschen und drei Viertel der Frauen über 25 Jahre leben seit mehr als zwei Jahren in einer Notunterkunft. Einrichtungen, die ursprünglich nur für einen kurzen Zeitraum gedacht waren, werden damit für viele Menschen zu einem dauerhaften Lebensort.

Die Diakonie Hessen sieht darin auch ein strukturelles Problem. Wohnungslosigkeit sei nicht allein ein individuelles Schicksal, sondern werde durch fehlenden bezahlbaren Wohnraum und unzureichende Prävention begünstigt.

Steigende Mieten setzen Menschen unter Druck

Auch die Beratungsstellen der Diakonie Hessen erleben den wachsenden Druck unmittelbar. Steigende Mieten, drohende Wohnungsverluste und fehlende Unterbringungsmöglichkeiten gehören zu den wiederkehrenden Themen in der Wohnungsnotfallhilfe.

„Schon viel zu lange werden zu wenige bezahlbare Wohnungen gebaut“, sagt Katharina Alborea, Referentin für Wohnungsnotfallhilfe bei der Diakonie Hessen. Dabei betreffe Wohnungslosigkeit längst nicht mehr nur Menschen in besonders schwierigen Lebenslagen. Auch Familien, Alleinerziehende, ältere Menschen und Menschen mit eigenem Einkommen gerieten zunehmend unter Druck oder fänden keinen Zugang zu bezahlbarem Wohnraum.

Diakonie fordert mehr bezahlbaren Wohnraum

Die Diakonie Hessen fordert deshalb von der Politik:

  • mehr Investitionen in bezahlbaren und sozialen Wohnungsbau
  • den Ausbau von Angeboten zur Verhinderung von Wohnungsverlusten
  • eine wirksame Begrenzung der Mietpreisentwicklung 

Hessen hat eine „Landesstrategie zur Prävention und Bekämpfung von Wohnungs- und Obdachlosigkeit“ auf den Weg gebracht. Aus Sicht der Diakonie wird deren Erfolg davon abhängen, ob aus Modellprojekten dauerhaft finanzierte Strukturen entstehen und tatsächlich zusätzlicher bezahlbarer Wohnraum geschaffen wird.

Wohnungslosigkeit ist kein Naturgesetz. Sie lässt sich verhindern und überwinden. Dafür braucht es weniger Absichtserklärungen und mehr bezahlbaren Wohnraum“, betont Carsten Tag.

Hilfe für Menschen in Wohnungsnot

Neben ihrem politischen Engagement unterstützt die Diakonie Hessen Menschen, die bereits von Wohnungslosigkeit betroffen oder bedroht sind. In den 85 Diensten und Einrichtungen der Wohnungsnotfallhilfe werden an 17 Standorten jährlich rund 40.000 Beratungsgespräche geführt. Zum Angebot gehören unter anderem Fachberatungsstellen, Tagesaufenthalte, Möglichkeiten zur Postadresse und Körperpflege, Übernachtungs- und Wohnangebote, betreutes Wohnen, Streetwork sowie medizinische Erstversorgung.

Die vollständige Pressemitteilung stammt von der Diakonie Hessen. Weitere Informationen zur Arbeit der Diakonie Hessen gibt es unter www.diakonie-hessen.de