Es war eine der weitreichendsten Entscheidungen der Synode: Mit dem Gebäudebedarfs- und -entwicklungsplan stellt das Dekanat die Weichen für einen langfristig tragfähigen Umgang mit seinen Gebäuden. Dabei geht es darum, welche kirchlichen Räume künftig gebraucht, erhalten und finanziert werden können – und wie zugleich genügend Mittel für das aktive Gemeindeleben bleiben.
Die Rahmenbedingungen haben sich verändert: Die Zahl der Gemeindeglieder geht zurück, die Kirchensteuereinnahmen werden voraussichtlich weiter sinken. Viele Gebäude müssen renoviert werden, während steigende Energie- und Unterhaltskosten die Gemeinden zusätzlich belasten. Zugleich werden manche Gebäude zu selten genutzt, um sie wirtschaftlich zu betreiben.
Grundlage des Prozesses ist ein Kirchengesetz der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) aus dem Jahr 2022. Die EKHN hat das Ziel vorgegeben, die gesamtkirchlich mitzufinanzierenden Baulasten um mindestens 20 Prozent zu reduzieren. Für das Dekanat Gießener Land sieht der beschlossene Plan eine Reduzierung um 20,57 Prozent vor.
Ein langer Weg mit Beteiligung vor Ort
Dekanin Barbara Lang machte deutlich, wie wichtig es war, die Menschen vor Ort in den Prozess einzubeziehen. Anfang 2025 wurden in den acht Nachbarschaftsräumen insgesamt über 180 Gebäude besichtigt. Anschließend wurden Vorschläge erarbeitet, in einer synodalen Arbeitsgruppe beraten und zwischen Januar und April 2026 in Workshops mit den Nachbarschaftsräumen diskutiert. Rückmeldungen, Korrekturen und alternative Lösungen flossen in die weitere Planung ein.
Lang würdigte das Engagement der Beteiligten: „Ich habe große Hochachtung vor allen, die sich mit viel Zeitaufwand in die Materie eingearbeitet haben, Korrekturen rückgemeldet, Alternativen bedacht, gerechnet, verglichen und sich beharrlich für Lösungen eingesetzt haben, die möglichst viele Bedarfe im jeweiligen NBR berücksichtigen.“
Bis zu den Sommerferien lagen acht genehmigungsfähige Vorschläge vor. Der Synode wurde schließlich ein fachlich geprüfter Plan vorgelegt, der auf den Empfehlungen der Nachbarschaftsräume beruhte.
Der Plan ordnet die Gebäude drei Kategorien zu, die festlegen, in welchem Umfang sich die Gesamtkirche künftig an den Baukosten beteiligt. Bei Kategorie A bleibt die gesamtkirchliche Mitfinanzierung für Instandhaltung und Renovierung bestehen. Bei Kategorie B wird sie auf „Dach und Fach“ begrenzt, also insbesondere auf Dach, Außenwände und Fenster. Für Kategorie C gibt es keine gesamtkirchliche Baubeteiligung mehr; die Kosten tragen die Kirchengemeinde beziehungsweise der Nachbarschaftsraum selbst.
Eine Einstufung in Kategorie C bedeutet nicht automatisch, dass ein Gebäude verkauft werden muss. Je nach örtlicher Situation können Kooperationen, Förderkreise oder alternative Nutzungskonzepte Lösungen bieten. Wo sich keine tragfähige Perspektive finden lässt, kann eine Trennung von einem Gebäude jedoch notwendig werden. Der Plan schafft dafür einen Rahmen; konkrete Lösungen hängen von den jeweiligen Voraussetzungen vor Ort ab.
„Der heutige Beschluss fällt vielen nicht leicht“
Barbara Lang verschwieg nicht, dass Veränderungen bei vertrauten Kirchen und Gemeindehäusern schmerzhaft sein können. Diese Gebäude sind Orte des Glaubens, der Begegnung und des gemeinschaftlichen Lebens, mit denen viele Menschen persönliche Erinnerungen verbinden.
„Der heutige Beschluss fällt vielen nicht leicht“, sagte Lang. Dem Dekanatssynodalvorstand sei es wichtig gewesen, möglichst viele Menschen auf diesem Weg mitzunehmen und ihre Anliegen vor Ort zu hören. Zugleich erinnerte sie an das Fundament kirchlicher Gemeinschaft: „Unsere Kirche ist nicht aus festen Steinen, Lehm oder Holz gebaut, sondern aus lebendigen Steinen – nämlich aus Ihnen und uns allen.“
Der Beschluss soll helfen, unter veränderten finanziellen und strukturellen Bedingungen verantwortungsvoll zu entscheiden und die Räume zu erhalten, die für das kirchliche Leben vor Ort gebraucht werden.
Barbara Lang mit großer Mehrheit wiedergewählt
Neben dem Gebäudeentwicklungsplan stand die Wahl der Dekanin im Mittelpunkt. Barbara Lang wurde mit großer Mehrheit erneut in ihrem Amt bestätigt. Sie leitet das Evangelische Dekanat Gießener Land seit April 2022.
Pröpstin Sabine Bertram-Schäfer begleitete den Wahlprozess und überbrachte Grüße aus der Kirchenleitung. Vor der Wahl blickte Lang auf ihre bisherige Arbeit zurück. Sie sprach über die Vielfalt des ländlich geprägten Dekanats, unterschiedliche theologische Traditionen und die Bedeutung von Lösungen, die zu den jeweiligen Gemeinden passen.
Zugleich betonte sie, anstehende Veränderungen aktiv gestalten zu wollen und sich gegen Extremismus und Diskriminierung einzusetzen. Ein respektvoller Umgang mit allen Menschen sei dabei wesentlich. Ihren Ausblick fasste sie in einem Satz zusammen: „Bleiben wir gemeinsam bei der Botschaft Jesu.“
Nach der Wahl würdigte Präses Dr. Thilo Schneider ihre menschliche Zugewandtheit, ihre Fähigkeit, Menschen miteinander zu verbinden, und ihre fachliche Kompetenz.
Integration: Ein Anliegen aus dem Dekanat findet Gehör
Annette Vogel und Jan-Philipp Krätschmer berichteten aus der EKHN-Kirchensynode. Dabei ging es unter anderem um die Resolution „Sprache öffnet Zukunft – Integrationskurse sichern“, die in der Frühjahrssynode beschlossen worden war.
Die zentralen Anliegen wurden von der EKHN-Kirchensynode aufgegriffen und fanden dort breite Zustimmung. Damit wurde ein Anliegen aus dem Gießener Land auf landeskirchlicher Ebene weitergetragen: Menschen sollen verlässliche Möglichkeiten erhalten, Deutsch zu lernen und dadurch Zugang zu Bildung, Arbeit und gesellschaftlicher Teilhabe zu finden.
Auch die Zukunft des Freizeitheims Wirberg wurde diskutiert. Claudia Schröder, Alisja Schäfer und Markus Brand berichteten aus der Projektgruppe über Auslastung, Finanzierung und mögliche Perspektiven. Dabei wurde deutlich, wie wichtig der Wirberg als kirchlicher Ort ist, insbesondere für die Jugendarbeit und für viele Menschen, die mit ihm persönliche Erinnerungen verbinden.
Zugleich arbeitet das Freizeitheim seit Jahren mit einem finanziellen Defizit. Deshalb sollen gemeinsam mit der Evangelischen Jugendvertretung im Dekanat (EJVD) verschiedene Möglichkeiten für die Zukunft geprüft werden – darunter ein tragfähiges neues Nutzungskonzept ebenso wie mögliche Verkaufsoptionen.
Ziel ist es, eine verantwortungsvolle und langfristig tragfähige Entscheidung zu treffen, die sowohl die Bedeutung des Wirbergs als auch die finanziellen Rahmenbedingungen berücksichtigt.
Mobile Jugendarbeit: Ein Projekt nimmt Fahrt auf
Das Projekt „Mobile Home“ soll Jugendlichen im Nachbarschaftsraum Unterer Vogelsberg künftig mobile Angebote der Jugendarbeit und Begegnungsmöglichkeiten bieten. Bei der Synode waren der Sprinter und der Bühnenanhänger bereits zu sehen. Außerdem wurde berichtet, dass das Spenden- und Finanzierungsziel mit knapp 4.000 Euro Restbetrag fast erreicht ist. Präses Dr. Thilo Schneider lobte das große Engagement des Projektteams. Nach Ausbau und Ausstattung soll das Projekt im Sommer 2027 starten.
Raum für neue Ideen: Synode beschließt Innovationspfarrstelle
Mit einem weiteren Beschluss möchte das Dekanat neue Wege kirchlicher Arbeit ermöglichen. Auf Grundlage der von Sarah Kiefer vorgestellten Initiative „Wir für Innovation“ beschloss die Synode, eine bislang unbesetzte, befristete 0,5-Springerstelle in eine 0,5-Pfarrstelle für Innovation umzuwidmen.
Statt die Stelle ungenutzt auslaufen zu lassen, soll sie einer Pfarrperson Freiraum geben, eine konkrete Idee zu entwickeln und praktisch zu erproben. Denkbar sind beispielsweise neue Formen von Gottesdienst und Gemeinschaft, Bildungsangebote, Seelsorge oder gesellschaftliches Engagement. Die Ideen sollen durchdacht, finanzierbar und für die Region relevant sein.
Ziel ist es, neue Ideen zu ermöglichen, kirchliches Leben in der Region zu stärken und Menschen für die Zukunft des Dekanats zu gewinnen.
Gemeinsam Zukunft gestalten
Zum Abschluss dankte Präses Dr. Thilo Schneider allen Haupt- und Ehrenamtlichen für ihre Mitarbeit und die konstruktiven Diskussionen.
Hintergrund: Die Dekanatssynode ist das regionale Kirchenparlament des Evangelischen Dekanats Gießener Land. In ihr beraten und entscheiden Vertreterinnen und Vertreter aus den Kirchengemeinden sowie weitere Mitglieder über grundlegende Fragen der kirchlichen Arbeit in der Region.