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DRiN-Projekt in Darmstadt

Sozialpreis für Quartiersmanager Herbert Gunkel

S. EdlingerGunkel zeigt auf die Häuser der Lincoln-Siedlung.Herbert Gunkel war zwölf Jahre lang Synodaler der EKHN. Jetzt engagiert er sich für die Bewohner der Lincoln-Siedlung in Darmstadt-Bessungen.

Herbert Gunkel engagiert sich ehrenamtlich beim Aufbau der neuen Darmstädter Wohnsiedlung „Lincoln“. Als Quartiersmanager hilft er, den neuen Stadtteil lebenswert zu machen. Dafür wurde ihm im Dezember des letzten Jahres die Landesauszeichnung „Soziales Bürgerengagement“ verliehen.

Geht man durch die Lincoln-Siedlung in Darmstadt-Bessungen, erwartet einen ein außergewöhnliches Bild. Auf der einen Seite des Quartiers stehen riesige Kräne und Baufahrzeuge, in manchen Bereichen sind hinter Bauzäunen große Fundamente zu sehen, die zeigen, dass hier mal Wohnhäuser stehen werden. Geht man ein Stück weiter durch das früher von der US-Army genutzte Gelände sind bereits fertige Häuserzeilen zu sehen. Meistens sind es moderne zwei- bis dreigeschossige Bauten mit weiß-rotem Anstrich. Darum herum viel Wiese, viele Bäume, vereinzelt sogar Ladestationen für E-Autos und Fahrradstationen – ganz anders als auf der Baustelle, in denen noch Sand und Schutt die Sicht prägen.

Eine neue Wohnsiedlung braucht lebenswerten Wohnraum

Dass hier gerade kräftig gearbeitet wird, um neue Wohnungen zu bauen, ist nicht zu übersehen. Bis 2020 soll das neue Quartier fertig sein – dann werden hier insgesamt 3000 Menschen ein neues zu Hause finden. Von den 50ern bis 2008 war das Gebiet eine Housing-Area für US-Streitkräfte. Gewohnt wurde hier also schon immer, aber jetzt wird sich das Gebiet für alle Menschen öffnen, die in Darmstadt Wohnraum suchen. Für Familien, für ältere Menschen, aber auch für Singles und Studenten.

Eine neue Wohnsiedlung braucht aber mehr als Straßen und Gebäude. Wie komme ich ohne eigenes Auto schnell in die Darmstädter Innenstadt? Wo gehe ich einkaufen? Wo mit den Kindern spielen? Und gehören in ein neues Wohnquartier nicht auch Parks und Grünanlagen? An dieser Stelle kommen Menschen wie Herbert Gunkel in die Planung. Eigentlich ist er schon seit 9 Jahren in Rente, trotzdem hat er sich ehrenamtlich als Quartiersmanager fortbilden lassen, um die neue Lincoln-Siedlung für alle Menschen lebenswert zu machen.

Herbert Gunkel engagiert sich ehrenamtlich für die neue Siedlung

„Als ich in Rente gegangen bin, habe ich erst einmal alle kirchlichen Ämter niedergelegt und wollte mich neu orientieren“, erzählt Herbert Gunkel, der auch zwölf Jahre lang Synodaler der EKHN war und sich zu Berufszeiten schon ehrenamtlich engagiert hat. Danach war er erst einmal ein paar Jahre lang auf Reisen – rund um das Mittelmeer und im Osten. Letztendlich ist er aber wieder zurück nach Darmstadt gekommen. „Ich wurde dann bei meiner Rückkehr direkt von der Diakonie Hessen angesprochen und gefragt, ob ich mich nicht wieder engagieren will“, erzählt Herbert Gunkel weiter. „Aber ich kann nicht irgendwo eine kirchliche Aufgabe übernehmen, ohne eine Anbindung zu einer Kirchengemeinde zu haben. Wo man sich reflektiert, austauscht, wo man sich begegnet und auch mal Rückhalt hat.“ Schließlich ist Herbert Gunkel der Andreas-Gemeinde in Bessungen beigetreten und dort auch in den Vorstand gewählt worden.

Als dann in der Lincoln-Siedlung Wohnraum entstanden ist, war auch klar, dass die Andreas-Gemeinde für dieses Gebiet zuständig sein wird. Herbert Gunkel erinnert sich an ein Gespräch mit der Pfarrerin zurück: „Die sagte dann zu mir: Da ziehen demnächst Menschen hin. Was machen wir damit und wie gehen wir damit um? Wie bereiten wir uns darauf vor und wie heißen wir die willkommen?“ Daraufhin hat sich Gunkel beim DRiN-Projekt der EKHN beworben, um Unterstützung für das Qartiersmanagement der Lincoln-Siedlung zu bekommen. Das DRiN-Projekt finanziert und unterstützt unter anderem Nachbarschaftsprojekte und Initiativen für gesellschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit. Für Herbert Gunkel war das ein Erfolg: „Wir haben dann tatsächlich eine halbe Stelle für eine Quartiersmanagerin für Lincoln bekommen.“

Feste und öffentlicher Personennahverkehr sind erste Erfolge der Quartiersarbeit

Mit dieser Unterstützung hat Herbert Gunkel mit dem Team der Andreas-Gemeinde und weiteren ehrenamtlichen Helfern begonnen, das neue Viertel attraktiv zu machen. „Wir haben dann überlegt, wie wir die Menschen erst einmal zusammenbringen“, berichtet Gunkel: „Und dann haben wir gesagt: Wir feiern ein Fest!“ Bei diesem ersten Fest – „Sommer auf Lincoln“ – wurden Wünsche und Ideen der neuen Bewohner geäußert. Auch Verantwortliche von der Stadt Darmstadt und verschiedene Vereine waren vor Ort, um Projekte für ein gutes Zusammenwohnen auf Lincoln zu entwickeln und dann auch umzusetzen. Und tatsächlich gibt es schon einige Erfolge dieser Quartiersarbeit: Die Straßenbahn hat nun eine Haltestelle direkt vor der Siedlung bekommen. Im Sommer sollen inklusive Ferienspiele für Kinder angeboten werden. Und auch Wohnraum speziell für ältere Menschen wird im neuen Stadtteil angeboten und weiter ausgebaut. „Schön ist auch, dass wir einen sehr kurzen Weg haben zu städtischen Ämtern“, resümiert Herbert Gunkel die Planungen: „Die sind alle bei uns in der Planungsgruppe. Und da kann man dann schon sagen: Oh, da klappt irgendwas nicht. Da kann sich dann auf kurzem Wege direkt darum gekümmert werden.“ Als Beispiel nennt Gunkel Angebote wie Car-Sharing oder Fahrradstation, die schon zusammen mit den Darmstädter Verkehrsbetrieben entwickelt wurden.

Der Sozialpreis kam für Gunkel überraschend

Die Bewohner der Lincoln-Siedlung haben jetzt also mehr als nur ein Dach über dem Kopf: Feste, öffentliche Verkehrsmittel, Angebote für Kinder und Senioren. Für diese Leistung wurde Herbert Gunkel im Dezember die Auszeichnung „Soziales Bürgerengagement“ des Landes Hessen verliehen. „Irgendwann im Oktober kam ein Schreiben vom Staatssekretär: Herr Gunkel, Sie sind vorgeschlagen für den Bürgerengagementpreis 2018“, erinnert er sich zurück: „Das war überraschend! Aber es ist natürlich auch schön, dann mal so gewürdigt zu werden.“ Wer genau ihn für den Preis vorgeschlagen hat, weiß Herbert Gunkel nicht: „Ich vermute mal, das war jemand von der Ehrenamtsakademie, wo ich meine Fortbildungen gemacht habe.“ Das Preisgeld von 300€ hat er direkt an die Andreas-Gemeinde weitergespendet – für inklusive Kinder- und Jugendarbeit. Dass es den Preis gibt, freut Herbert Gunkel sehr: „Ich finde das auch ganz toll, dass das hessische Sozialministerium den Preis für so wichtig hält. Das ist dann vielleicht auch für andere ein Ansporn.“

Von Steffen Edlinger

 

 

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