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Unwetter: Hilfe, Anteilnahme

„Sowas wie im Ahrtal habe ich noch nicht gesehen“

Evangelische Kirche im Rheinland / Oliver JoswigHochwasserkatastrophe 2021: Die Kirche in Gemünden  / Eifel nach der ÜberschwemmungHochwasserkatastrophe 2021: Die Kirche in Gemünden / Eifel nach der Überschwemmung

Nach den verheerenden Unwettern in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen sind mindestens 170 Menschen gestorben. Hunderte werden noch vermisst. Wenige Tage nach dem Unglück zeigt sich das ganze Ausmaß. Hessen-Nassau ruft zu Spenden auf, die Notfallseelsorge unterstützt und Solidaritätsadressen der Partnerkirchen gehen ein.

Nach den verheerenden Unwettern in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen zeigt sich langsam das ganze Ausmaß. Mindestens 170 Menschen sind gestorben. Annähernd 800 wurden teils schwer verletzt. Viele Menschen seien durch den Tod von Menschen oder dem Verlust  ihres kompletten Hab und Guts traumatisiert, berichten Einsatzkräfte.

 

Hohe Hilfsbereitschaft

Andreas Gerhard, Stellvertretender Leiter der Evangelischen Regionalverwaltung Wiesbaden-Rheingau-Taunus war mit der Freiwilligen Feuerwehr im Unglücksgebiet. Er war 1997 bereits bei der „Jahrhundertflut“ an der Oder im Einsatz. „Aber sowas wie im Ahrtal habe ich noch nicht gesehen“, berichtet er gegenüber ekhn.de. Besonders bedrückend: Die Bundespolizei habe darauf hingewiesen, dass noch bis zu 3.000 Personen im Ahrtal vermisst würden. Gleichzeitig sei die Hilfsbereitschaft im nicht direkt betroffenen Umland sehr hoch. „Ich habe noch nie so viele freundliche Menschen getroffen.“

 

Notfallseelsorge in Bereitschaft

Inzwischen hat auch die Notfallseelsorge aus Hessen-Nassau Vorbereitungen getroffen, das benachbarte Krisengebiet zu unterstützen. Nach Angaben von Andreas Mann, Leiter der EKHN-Notfallseelsorge, seien Teams in Bereitschaft. Sie sollen beispielsweise der psychosozialen Versorgung von Einsatzkräften dienen. Notfallseelsorgerinnen und Notfallseelsorger aus Nord-Nassau hatten sich auf die Anfrage von Eberhard Hoppe (Eschenburg), dem Leiter der Notfallseelsorge Lahn-Dill, bereits für mögliche Einsätze vor Ort gemeldet. Ziel sei es, die erschöpften Seelsorge-Teams der rheinischen Kirche in den Unwettergebieten bald auszutauschen.

 

Spezielles Spendenkonto

Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) hat unterdessen dazu aufgerufen, für die Opfer der Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen zu spenden. Die Diakonie und die besonders betroffene Evangelische Kirche im Rheinland (EKiR) hatten dazu ein eigenes Spendenkonto errichtet. Von Sachspenden solle wegen des hohen Organisationsaufwandes gegenwärtig aber Abstand genommen werden. Die Stellvertretende Kirchenpräsidentin Ulrike Scherf bedankte sich bei allen, die bereits gespendet haben oder mit ihrem Engagement vor Ort ein großes Zeichen der Mitmenschlichkeit setzten.

 

Spendenkonto bei der Diakonie RWL
DE79 3506 0190 1014 1550 20
KD Bank
Stichwort: Hochwasser-Hilfe
Online spenden

 

Anteilnahme von Kirchenpräsident

Der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung hatte bereits vergangene Woche  seine Betroffenheit zum Ausdruck gebracht: „Ich bin tief erschüttert über das Ausmaß des Unwetters. Meine Gedanken und Gebete sind besonders bei den Menschen, die ihr Leben verloren haben, bei ihren Angehörigen und allen, die um sie trauern. Ich denke auch an diejenigen, deren Häuser beschädigt und zerstört sind, die Hab und Gut verloren haben. Es ist furchtbar, so viel Ohnmacht zu spüren und vor Trümmern zu stehen. Ich bitte Gott um Nähe, Trost und Kraft für alle, die so großes Leid erfahren. Wie wichtig ist jetzt Solidarität und Hilfe! Wer hilft, gibt Halt und Hoffnung. Den Rettungs- und Hilfskräften, die sich auch von vielen Orten in das Unglücksgebiet auf den Weg gemacht haben, danke ich von Herzen! Die Unwetterkatastrophe wirft auch viele Fragen nach dem auf, was in menschlicher Verantwortung liegt.“

 

Präses widerspricht Strafgerichts-Denken

Einer Deutung der Überflutung als „Strafe Gottes“  ist der rheinische Präses Thorsten Latzel  am Wochenende auf seiner Facebook-Seite entschieden entgegengetreten. Er hatte die Notfallseelsorge begleitet und Gottesdienste im Unglücksgebiet  gehalten. Überschwemmung als „Gerichtshandeln Gottes“ zu bezeichnen, mit denen er Menschen zur Umkehr rufen will, halte er für grundsätzlich irreführend. Gott ließe sich nicht in die Karten schauen. Und: „Gott ist kein Theater-Gott, der wie aus der Nebel-Maschine auftaucht, um hier oder dort mal richtig reinzuhauen und Tacheles zu reden“, so Latzel. Vielmehr lasse er dem biblischen Zeugnis nach „seine Sonne aufgehen über Böse und Gute“. Die Bibel bezeuge Gott als Schöpfer, der den Chaosmächten, den Ur-Fluten eine Grenze setzt, um so Leben von Menschen, Tieren, Pflanzen zu ermöglichen. Latzels Vorstellung von Gott entspreche eher dem Kruzifix, das eine Frau nach dem Unwetter im überschwemmten Keller gefunden habe: „Der Gekreuzigte im Schlamm der Überschwemmung. Für mich ist Gott heute genau dort gewesen – mitten im Schlamm der Überschwemmung, auf der Seite der leidenden Menschen, wie seit Urzeiten im Kampf gegen die Chaosmächte.“ Direkt zum Baitrag auf Facebook von Thorsten Latzel: 

 

Partnerkirchen nehmen Anteil

Eine neue Situation für die EKHN ist zudem: Die weltweiten Partnerkirchen etwa in Asien und Afrika nehmen Anteil am Unwetter hierzulande und versichern ihre Anteilnahme. Fast immer war es in der Vergangenheit umgekehrt. So schrieb der Bischof der evangelischen Diözese Amritsar Pradeep Kumar Samantaroy an Hessen-Nassau: „Wir sind tief betroffen von den verheerenden Auswirkungen des Hochwassers in Deutschland. Möge Gott den Hinterbliebenen seinen Frieden und den Verletzten Heilung schenken.“ Aus East Kerala in Indien schrieb die Kirchenleitung: „Wir sind besorgt über die Nachrichten über das Hochwasser in Deutschland. Ich hoffe, alle sind sicher und gesund. Seid unserer Gebete versichert.“

In einem eindringlichen Gebetstext baten leitende Geistliche aus Tansania, darunter Bischof Benson Bagonza von der Karagwe Diözöse: „Herr, beruhige die Stürme, fang den Regen ein, der diese Flut verursacht.“ Aus der evangelischen Diözese Karagwe in Tansania kam zudem die Botschaft: „Wir beten für diejenigen, die ihre Lieben verloren haben oder auf die eine oder andere Weise vermisst werden. Wir beten dafür, dass Gott sein Volk beschützen kann.“

Daniel Ženatý,  Synodalsenior der evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder in Tschechien schrieb: „Mit Erschütterung und tiefem Bedauern verfolgen wir die tragischen Ereignisse der Hochwasser-Katastrophe in Ihrem Land. Wir beten für Sie und laden auch alle Schwestern und Brüder in unserer Kirche  und der ganzen tschechischen Ökumene zum Gebet und zur Solidarität ein. Marek Izdebski, Bischof der Evangelisch-Reformierten Kirche in Polen bekundete: „In dieser schweren Zeit wollen wir unsere brüderliche und  schwesterliche Sorge zum Ausdruck bringen und im Gebet, in guten  Gedanken, in Leid und Schmerz, aber auch im Vertrauen und Glauben an Ihrer Seite sein.“

In Telefonaten und Videokonferenzen sprachen auch viele andere Partnerkirchen Ihre Betroffenheit und ihr Mitgefühl aus und betonten, dass sie für die Opfer und Ihre Angehörigen beten, berichtet Helga Rau, stellvertretende Leiterin des Zentrum Oekumene in Frankfurt.

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