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Sich schützen

Ist Schutz vor sexuellen Übergriffen möglich?

istockphoto, master1305Ärgerliches MädchenKinder und Jugendliche sollen erfahren, dass sie Grenzen setzen können

14 Anzeigen wegen sexueller Übergriffe gab es in Zusammenhang mit dem Schlossgrabenfest in Darmstadt. Damit sich Jugendliche, Kinder und Erwachsene weitgehend schützen können, gibt es vom Arbeitskreis „Gegen sexuellen Missbrauch“ hier Empfehlungen und eine Info-Veranstaltung.

Manche Frauen haben das Schlossgrabenfest 2016 in Darmstadt vermutlich alles andere als unbeschwert erlebt:  Am letzten Maiwochenende hatten sich mehrere Frauen an die Polizei gewandt und über sexuelle Belästigung berichtet. Insgesamt gingen laut Presseberichten 14 Anzeigen ein. Gibt es Möglichkeiten, sich und seine Kinder vor solchen Erfahrungen zu schützen? Diese Frage greift die Veranstaltung „Wer hat Angst vorm bösen Mann?“ in Erbach am 14. Juni 2016 auf. Veranstalter ist der  Arbeitskreis „Gegen sexuellen Missbrauch“, dem neben mehreren  Netzwerkpartnern auch das Diakonische Werk im Odenwald angehört. Dabei macht Arbeitskreis-Mitglied Anja Scheibel deutlich: „Unserer Erfahrung nach gehen sexuelle Übergriffe nicht nur von Migranten aus, sondern auch von Deutschen mit christlichem Glaubenshintergrund.“

Sexuelle Übergriffe in der Öffentlichkeit

Zu sexuell motivierten Übergriffen von Fremden in der Öffentlichkeit hat sich Anja Scheibel allerdings geäußert. Sie ist zuständig für die Schwangerenberatung und Sozialpädagogik im Diakonischen Werk Odenwald und erklärt: „In unübersichtlichen  Situationen kann es sein, dass das beste Selbstbewusstsein und eine gute Prävention nicht ausreichen.“ Dann gelte es, sich abzuwenden, davonzulaufen und sich in Sicherheit zu bringen, bzw. die Umstehenden um Hilfe zu bitten. Geprüft werden sollte, ob eine klares „Nein“ helfe, denn in extremen Fällen könne eine klare Aussage zu verstärkter Aggression des Angreifers führen. Oft tauchten bei Betroffenen  im Anschluss Fragen auf wie: „Hätte ich diese Situation verhindern können?“ Anja Scheibel,  studierte Sozialpädagogin, weiß aus Erfahrung: „Solche Gedanken sind normal. Wichtig ist nur, offen mit seinen Schuldgefühlen umzugehen und sich damit nicht zu verkriechen.“

mehr über „Was tun nach einem sexuellen Übergriff?

Gesellschaftsfähiger Sexismus als eine der Ursachen

Aus  Sicht der Beraterin stecke hinter öffentlichen Übergriffen von Fremden auch ein gesellschaftsfähiger Sexismus, der bereits vor der eigentlichen Tat beginne. Anja Scheibel verdeutlicht: „In einigen Werbefilmen und auf manchen Plakaten an der Straße werden Frauen als Ware dargestellt. Dann stellt sich die Frage, wie diese deutlichen Bild-Botschaften auf eine bestimmte Zielgruppe wirken.“

Übergriffe von Vertrauenspersonen und näherem Umfeld

Arbeitskreis-Mitglied und Psychologin Heike Beringer erzählt von ihrem Eindruck: „Politiker und Bürger denken manchmal, dieses Problem gibt es erst, seit so viele Flüchtlinge nach Deutschland eingereist sind.“ Der Arbeitskreis möchte an diesem Punkt den Blick weiten. „Kindern wird oft vermittelt, dass es der fremde Mann ist, der im Gebüsch lauert. Das ist nur der seltenste Fall. Sexuelle Gewalt kommt fast immer aus dem sozialen Nahfeld“, sagt Harald Schmelzer von der Polizeidirektion Odenwald.

Kinder sensibilisieren

Wichtig sei, bereits  Kinder dafür zu sensibilisieren, dass nicht nur Fremde böse Absichten hegen können, sondern Übergriffe auch von Vertrauenspersonen wie Verwandten, Lehrern oder Sporttrainern kommen können.  Kindern müsse vermittelt werden, dass ihre Grenzen respektiert und gewahrt werden müssen. „Solche Grenzen können sogar schon erreicht sein, wenn der Enkel nicht von Oma abgeknutscht werden möchte“, so Beringer. „Kinder müssen nicht alles über sich ergehen lassen, nur weil Erwachsene Nähe wollen.“ Keinem zu vertrauen sei der falsche Weg, doch Vertrauen dürfe nicht blind sein. Die Täter bauen oft über lange Zeit ein Vertrauen zu den Opfern auf, das sie dann ausnutzen. Oftmals suchen die Opfer dann die Schuld bei sich selbst.  Denn sie glauben, dass sie es durch ihr Vertrauen ja erst soweit haben kommen lassen. Da der Täter oft aus dem nahen Umfeld stammt, werden viele Übergriffe gar nicht erst zur Anzeige gebracht.

Gefahr in den sozialen Medien

Der Arbeitskreis geht davon aus, dass es in jeder Klasse mindestens ein Kind gibt, das von sexueller Gewalt betroffen ist. Grenzüberschreitungen haben schon jedes dritte Mädchen und jeder fünfte Junge erlebt. Stefanie Warias ist Vertrauenslehrerin am Gymnasium Michelstadt und stellt fest, dass auch Smartphone und Internet immer häufiger Ort sexueller Gewalt werden: „Soziale Netzwerke setzen die Jugendlichen unter enormen Druck. Es dreht sich alles um Follower und Likes. Durch schlechte Vorbilder und falsche Rollen gehen die Jugendlichen offener mit freizügigen Fotos um. Diese geraten schnell in die falschen Hände, dann werden sie im Internet verteilt und holen die Kinder im echten Leben wieder ein, zum Bespiel in der Schule.“ Auch Anja Scheibel vom Diakonischen Werk Odenwald weiß, dass Frauen immer noch mit Klischees aufwachsen: „Es fängt schon bei Prinzessin Lillifee an. Mit Barbie und ‚Monster High‘-Figuren landet dann sehr sexistisches Spielzeug im Kinderzimmer. Frauen fühlen sich durch die unrealistischen Erwartungen unwohl in ihrem Körper und haben ein geschwächtes Selbstbewusstsein“.

Aktuell mehr Fälle

Die Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern im Odenwald verzeichnet pro Jahr rund 20 Fälle, teilweise unabhängig von denen, die der Polizei bekannt sind. Allein in der ersten Hälfte dieses Jahres sind es aber schon 18 Fälle von sexueller Gewalt. Das zeigt, wie brisant dieses Thema momentan ist. Deshalb hat der Arbeitskreis bereits im Vorfeld der Info-Veranstaltungen einige Empfehlungen zusammen gestellt.

Empfehlungen, um den Schutz vor sexueller Gewalt zu erhöhen:

Gesundes Selbstbewusstsein stärken
Erfahrungen zeigen, dass Menschen mit einer selbstbewussten Ausstrahlung seltener Opfer von sexuellen Übergriffen  werden als andere.

Grenzen ziehen
Persönliche Grenzen festlegen und rechtzeitig reagieren, wenn diese überschritten werden. Dabei auf das eigene Gefühl achten. Sich selbst vertrauen.

Sorgsam im Netz
Sensibel mit persönlichen Daten umgehen. Persönlichkeit von Fremden hinterfragen. Nicht alles glauben von Menschen, die man nicht kennt.

Hilfe holen
Mit anderen sprechen und Hilfe suchen, wenn ein ungutes Gefühl aufkommt. Hilfe holen ist nicht petzen!

Informationsabend

Daher veranstaltet der Arbeitskreis am 14. Juni  ab 19.00 Uhr einen Informationsabend mit Gesprächen und Hinweisen, wie Eltern sich und ihre Kinder vor sexueller Gewalt schützen können. Veranstaltungsort ist der Mehrzwecksaal des Gesundheitszentrums Odenwaldkreis (Albert-Schweitzer-Straße 10-20, Erbach).   Dem Arbeitskreis gehören u.a. das Diakonischem Werk Odenwald, die Gleichstellungsbeauftragte des Odenwaldkreises, die Polizeidirektion, die Vitus Kinder und Jugendpsychiatrie, das staatliche Schulamt für den Kreis Bergstraße und den Odenwaldkreis, die AWO , Rechtsanwältinnen sowie die Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern und die Frauenberatungsstelle an.
www.odenwaldkreis.de/index.php

[Marvin Eckert]

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