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Pfarrerehepaar Fritzsche geht in den Ruhestand

Politisches Engagement gehörte immer dazu

StenderMann im Anzug und Frau mit rotem Tuch vor einem BücherschrankVor dem Bücherschrank im Bellersheimer Gemeindehaus: Johannes und Beate Fritzsche

Nach 30 Jahren verabschieden sich Pfarrerin Beate Fritzsche und Pfarrer Johannes Fritzsche aus ihren Kirchengemenden Bellersheim und Obbornhofen. Ende des Monats wechseln die beiden in den Ruhestand und verlassen das Pfarrhaus in Bellersheim.

Mit einem Familienfoto im Schnee hatte sich Johannes Fritzsche im Winter Anfang 1991 auf die Stelle in den beiden Hungener Stadtteilen beworben. Damit war den Kirchenvorständen klar: Die Fritzsches gibt es nur im Paket. Beate Fritzsche war noch in Erziehungsurlaub, wie es damals hieß, die drei Söhne waren sechs, drei und ein Jahr alt. Beworben hatte sich der gebürtige Franke, weil für ihn und seine Frau hier alles zu passen schien: „Wir konnten gut an Vorhandenes anknüpfen“, erinnern sie sich. Neben einem regen Gemeindeleben war auch „musikalisch was los“. Das war wichtig für beide, die bis heute im Chor „A-Chor-Do“ singen. Damals gab es den „Kleinen Chor“ und Kinderchöre und Johannes Fritzsche wurde gleich „verhaftet für den Flötenkreis“.

Schnell mitten im Dorfleben

Beide tauchten schnell ins Dorfleben ein, waren beim Karneval und der Kirmes dabei und engagierten sich in Umweltfragen. Johannes Fritzsche ist als Beisitzer im Vorstand aktiv im NABU Obbornhofen-Bellersheim und stritt für die Erhaltung der Horlofftalbahn. Ihr tatkräftiges Eintreten für die Erhaltung der Schöpfung führte beide auch in den Dannenröder Forst, wo Beate Fritzsche als kirchliche Beobachterin unterwegs war. Politisches Engagement gehört für beide zwingend zum Christsein dazu. So war es auch folgerichtig, dass sie seit 2015 mittlerweile viermal Geflüchteten Kirchenasyl gewährt haben. Beate Fritzsche ist dem Bellersheimer Kirchenvorstand dankbar, das mit seinem Beschluss ermöglicht zu haben. Auch die vielen Menschen, die sich in dieser Zeit für die Begleitung der Geflüchteten auf verschiedenen Gebieten eingesetzt haben, erwähnt sie dankbar.

Pfarrhaus mit offenen Türen

Dass das Pfarrerehepaar so große Unterstützung erfuhr, ist ein deutlicher Beleg dafür, dass es einfach passte zwischen den beiden und ihren Gemeinden. Weil ihr Pfarrhaus offene Türen hatte und hat, fanden auch manchmal Kirchenvorstandssitzungen im Esszimmer des Pfarrhauses statt. Dort ist wahrscheinlich auch die Idee entstanden, im Rahmen der 1250-Jahrfeier von Bellersheim gemeinsam mit Jugendlichen die Geschichte der jüdischen Familien im Ort zu erforschen. Jetzt gibt es eine Ausstellung darüber und Stolpersteine, die an die Menschen erinnern, die Opfer des nationalsozialistischen Rassenwahns wurden.

Auch andere Aufgaben im Dekanat

Das Wirken des Ehepaars blieb nicht auf die Pfarrstelle in Bellersheim und Obbornhofen beschränkt, die sie sich seit Beate Fritzsches Wiedereinstieg in den Beruf 1994 teilten. Zweimal übernahm Beate Fritzsche die Verwaltung der Pfarrstelle in Muschenheim und Birklar. Sie übernahm auch die Krankheitsvertretung in Kloster Arnsburg. Sieben Jahre lang war Johannes Fritzsche stellvertretender Dekan des Dekanats Hungen.

Mit dem Saxophon auf dem Kirchturm

Die Liste der weiteren Aktivitäten ist lang: Kinderbibelwochen und -freizeiten, Kanutouren und Skifreizeiten mit Jugendlichen, Dorfjubiläen, Kirchenrenovierung und Kirchenjubiläum, Bücherschrank im Gemeindehaus Bellersheim, die Homepage und der Gemeindebrief „Kirchturmblick“. Corona stellte das Pfarrerehepaar im Frühjahr des vergangenen Jahres noch einmal vor neue Herausforderungen. Mit dem Ausfall der Präsenzgottesdienste schalteten sie auf regelmäßige Videoandachten um. Musikalisch erhielt Johannes Fritzsche den Kontakt zur Gemeinde mit dem Saxophon auf dem Kirchturm aufrecht. Bis in den November 2020 hinein ließ er jeden Abend um 19 Uhr sein Instrument erklingen.

Erfolgreiche "Muss-Ehe"

Dass ihre „Muss-Ehe“ zu einer so erfolgreichen Lebens- und Arbeitsgemeinschaft wurde, war nicht unbedingt vorgezeichnet. Beate Fritzsche kam 1955 im Westerwald als Tochter eines Lehrers und einer Hausfrau zur Welt, Johannes‘ Wiege stand in einem fränkischen Pfarrhaus. Während Johannes schon in der Oberstufe wusste, dass er Pfarrer werden wollte, entschied sich Beate nach ehrenamtlichem Engagement in der kirchlichen Jugendarbeit erst nach dem Abitur in Herborn für die Theologie als Studienfach. Dann näherten sie sich zunächst räumlich an: Erster Studienort war für beide die Kirchliche Hochschule im bayerischen Neuendettelsau. Beide wechselten nach drei Semestern nach Heidelberg. Bei der Erinnerung an den Mai 1979 strahlen sie – hier begann ihr gemeinsamer Weg. Er führte sie 1982 nach dem ersten kirchlichen Examen in die Ehe und 1983 ins Lehrvikariat. 

Anfang in Schönborn

Nach dem zweiten Examen stellte die erste Stelle im Vordertaunus die beiden Berufsanfänger vor große Herausforderungen. 1985 zogen sie mit einjährigem Sohn ins 500-Einwohner-Dorf Schönborn im Vordertaunus als eines der ersten Vikarspaare mit Stellenteilung. Die Pfarrstelle in Schönborn war seit 18 Jahren vakant; darüber hinaus waren sie für drei weitere Dörfer in der Kirchengemeinde Klingelbach zuständig. Während die Gemeindemitglieder froh über die Wiederbesetzung der Stelle waren, fand man auf Dauer bei der Zusammenarbeit nicht zu einem gemeinsamen Nenner. Fünf Jahre und zwei Söhne später dann der Wechsel nach Oberhessen, der sich für die Familie als Lebensentscheidung erwies.

Sie bleiben gern in Bellersheim

Die dörfliche Gemeinschaft, die Menschen im Ort und die Freundschaften, die sie im Laufe der drei Jahrzehnte in den Dörfern am Rand der Wetterau geschlossen haben, bewog Fritzsches dazu, vor drei Jahren ein Haus in Bellersheim zu erwerben. Dort werden sie weiterhin Anteil am dörflichen Geschehen nehmen. Den Kirchengemeinden wünschen sie bald einen neuen Pfarrer oder eine neue Pfarrerin, die oder der die Zukunft der Gemeinden mit den Kirchenvorständen und den Ehrenamtlichen in die Hand nimmt. Bis es so weit ist, sehen sie die Gemeinden bei der Wohnbacher Pfarrerin Martina Belzer in guten Händen.

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