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Protestaktion in Nonnenroth

"Luther würde bunt wählen"

StenderSie stehen für den "bunten" LutherSie stehen für den "bunten" Luther

„Heute wähle ich bunt – nicht braun“ behauptet der Reformator Martin Luther auf einem Banner, das am Dienstag in Nonnenroth enthüllt wurde. Damit reagiert die evangelische Kirchengemeinde Villingen-Nonnenroth auf die Plakatierung der NPD, die über den Hinweisschildern zum Lutherweg und zum „Luther-Denk-mal“ angebracht ist. Dort behauptet die Partei, der Reformator „würde NPD wählen“.

StenderNPD-Plakat in Nonnenroth 2018NPD-Plakat in Nonnenroth 2018

Für ihre Gegen-Aktion hat die Kirchengemeinde zahlreiche Mitstreiter gefunden: Den Lutherweg-Verein, Vertreter von Kirchengemeinden am Lutherweg, den Verein für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und das Dekanat Hungen. „Wir wollen ein klares Zeichen gegen den Missbrauch des Lutherschen Erbes im Sinne einer menschenverachtenden Politik, die mit anti-islamischer Polemik auch vor antisemitischen Äußerungen nicht zurückschreckt“, erklärt die Hungener Dekanin Barbara Alt die Initiative.

Die Gruppe versammelte sich am „Luther-Denk-mal“, das den Reformater mit Davidstern an der Brust darstellt. „Was Luther über die Juden geschrieben hat, bleibt ein Stolperstein“, erläutert Pfarrer Hartmut Lemp. Damit verschweige es die verhängnisvolle Wirkungsgeschichte mancher Aussagen Luthers nicht. Schon seit Längerem setze sich die Evangelische Kirche damit kritisch auseinander und erkenne die Mitverantwortung für antijüdische Gewalt in der deutschen Geschichte an.

Der Nonnenröther Luther trägt jedoch auch eine aufgeschlagene Bibel in der Hand – Symbol dafür, dass allein die Heilige Schrift in der Kirche gelten solle. Pfarrer Lemp zitiert den Kirchenhistoriker Anselm Schubert, der forderte, die NPD müsse nachweisen, dass ihre Positionen mit der Bibel übereinstimmten. So heißt es im dritten Buch Mose: „Den Fremdling sollt ihr nicht bedrücken; denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen in Ägyptenland“.

Auch die NPD-Behauptung, Luther sei ein „aufrechter Patriot“ gewesen, könne man nicht stehen lassen. Es habe noch gar keinen deutschen Nationalstaat gegeben, sondern das Heilige Römische Reich Deutscher Nation mit über 500 Territorien und vielen Sprachen.  Den Begriff „Ausländer“ habe es im 16. Jahrhundert gar  nicht gegeben.

Die Initiatoren der Aktion in Nonnenroth waren sich einig, dass hinter dem NPD-Plakat ein völlig falsches Verständnis der Lehren des Reformators und der Evangelischen Kirche steht. So meinte Doris Wirkner, Inhaberin der Fachstelle Gesellschaftliche Verantwortung, die Kirche sehe sich der Nächstenliebe als Kernbotschaft des Christentums verpflichtet. Pfarrer i.R. Heinz Daume von der Gesellschft für christlich-jüdische Zusammenarbeit nannte den Standort des Parteiplakats am Lutherweg eine „Beleidigung auch der Menschen,  die diesen Weg gemacht haben“. Der Hungener Pfarrer Marcus Kleinert legte Wert auf die Feststellung, dass mit der Aktion keine Parteipolitik gemacht werde. Allerdings müsse man deutlich machen, dass Positionen, die gezielt Gruppen ausgrenzten oder Menschen in verschiedene Klassen unterteilten, nicht mit der christlichen Botschaft in Einklang zu bringen seien.

Bernd Rausch vom Lutherweg-Verein empfahl Pilgern auf dem Lutherweg von der Wartburg nach Worms als geeignetes Heilmittel gegen diese Positionen. „Da wird der Kopf frei für andere Gedanken“, meinte er.

 

 

 

 

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