Evangelisch im Gießenerland

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Herzlich Willkommen! Entdecken Sie, welche Angebote der Evangelsichen Dekanate Grünberg, Hungen und Kirchberg zu Ihnen passen.

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Fortbildung der Dekanate Grünberg, Hungen, Kirchberg in Paris

Kirchliches Leben in der "Laicité"

StenderGruppe von Männern und Frauen vor BambusDie Gruppe aus Oberhessen im Hof des "Foyer Le Pont"

Auf die Spuren des Protestantismus begaben sich Pfarrerinnen und Pfarrer sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Dekanaten Grünberg, Hungen und Kirchberg in der französischen Hauptstadt Paris.

Dass diese Spuren nur schwer zu finden sind oder sich zum Beispiel in einer unterirdischen Parkgarage in der Innenstadt verstecken, liegt an der strikten Trennung von Staat und Kirche in Frankreich. Seit 1905 regelt ein Gesetz, das den Einfluss der katholischen Kirche auf die Politik beschränken sollte, dieses Miteinander, das besser als Nebeneinander bezeichnet werden sollte. Auf Französisch gibt es dafür den Begriff „Laicité“, zu Deutsch Laizismus. In einem Einführungsvortrag zum Thema erfuhren die Oberhessen, wie privat Religion, Glaube und Konfession im westlichen Nachbarland zu sein hat: „Wenn Sie bei Ihren Freunden garantiert nicht mehr eingeladen werden wollen, fangen Sie auf einer Party an, über Religion zu reden“. Was sich Anfang des 20. Jahrhunderts gegen die katholische Kirche richtete, betrifft heute alle Konfessionen und Religionsgemeinschaften in Frankreich: Im öffentlichen Raum sind alle Äußerungen von Religion zu unterlassen.

Besuch in der deutschen Gemeinde

Was dies für eine evangelische Kirchengemeinde bedeutet, erfuhr die Gruppe in der Christuskirche der deutschen evangelischen Gemeinde im neunten Arrondissement. Pfarrerin Andrea Busse: „Wenn wir einen Laternenumzug zu Sankt Martin auf der Straße machen wollen, müssen wir eine Demonstration anmelden und bekommen Polizeibegleitung“. Die (halblegale) Lösung: Der Umzug bewegt sich nur bis zur wenige Meter entfernten katholischen Kirche. Pfarrerin Busse berichtete weiter über ihre Arbeit in einer weit verstreuten Gemeinde – die Mehrzahl der rund 600 Mitglieder hat einen Anfahrtsweg von über einer Stunde zum Gottesdienst oder anderen Gemeindeveranstaltungen. Historisch wurde es mit dem Vortrag der Sellnröder Pfarrerin Ingrid Volkhardt-Sandori über die oberhessischen Straßenkehrer in Paris. Über deren Schicksal im 19. Jahrhundert hatte sie in einem Studienurlaub unter anderem im Archiv der Christuskirche geforscht.

Hugenotten und Straßenfeger

Noch weiter zurück in der Geschichte bewegten sich die Oberhessen bei einer Führung an „protestantische“ Orte in der französischen Hauptstadt. Dabei wurden sie erinnert an die Auseinandersetzungen zwischen der katholischen Staatskirche und den zum Protestantismus konvertierten Franzosen, den Hugenotten, im 16. Jahrhundert, die in der Bartholomäusnacht 1572 ihren blutigen und für Tausende Protestanten tödlichen Höhepunkt fanden. 1598 gewährte das Edikt von Nantes den calvinistischen Protestanden religiöse Toleranz und Bürgerrechte. Der Katholizismus blieb jedoch Staatsreligion. Eine Stadtmauer aus dieser Zeit befindet sich unterirdisch in einem Parkhaus. Nach dem Widerruf dieses Edikts durch Ludwig XIV. im Jahr 1685 verließen hunderttausende Hugenotten Frankreich in Richtung, Holland, die Schweiz, Preußen. Einige Hundert kamen auch nach Hessen.

Mission Populaire

Zurück in der französischen Gegenwart war die Gruppe im Foyer de Grenelle im 15. Arondissement. In dieser Einrichtung der „Mission populaire“ (Volksmission) kümmert sich Pfarrer Christophe Verray erstaunlicherweise mit finanzieller Unterstützung durch die Stadt Paris, um Geflüchtete und Obdachlose. Ermöglicht wird dies durch großes ehrenamtliches Engagement, zum Beispiel bei Sprachkursen für Asylbewerber.

Neben diesen Aktivitäten blieb den Oberhessen bei herrlichem Frühherbstwetter ausreichend Zeit, die touristischen Ziele der französischen Hauptstadt zu besuchen.  

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