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Jung: Grenzen müssen Menschen helfen

Erdenbewohner-Pässe für Kirchentagsbesucher

StenderKirchenpräsident Dr. Volker Jung predigt in LichKirchenpräsident Dr. Volker Jung predigt in Lich

Rund 300 Menschen hatten sich am Samstag auf dem Platz vor der Licher Marienstiftskirche zum Eröffnungsgottesdienst des zweiten Kirchentags der Dekanate Grünberg, Hungen und Kirchberg versammelt. In seiner Predigt griff Kirchenpräsident Dr. Volker Jung das Thema der Veranstaltung „Grenzenlos“ auf. Für ihn seien Grenzen „dann sinnvoll, wenn sie helfen, dass Menschen gut miteinander leben.“

Wie genau das geschehen könne, müsse man immer wieder aufs Neue herausfinden. Gewalt sei dabei für Christen aber niemals eine Option. Orientierung seien hierbei die Gebote der Gottesliebe und der Menschenliebe. Es gebe nicht den nahen und den fernen Nächsten. „Die Zumutung des Gebotes ist schon die, in jedem Menschen einen Nächsten zu sehen“, so der Kirchenpräsident weiter. Daraus ergebe sich der Auftrag, sich zu fragen, was ein Mensch gerade brauche: „Was würde ich jetzt brauchen, wenn ich an seiner, an ihrer Stelle wäre“. – Kranke und Verwundete bräuchten Hilfe, Hungernde Nahrung, Bedrohte und Verfolgte Schutz und Sicherheit, Ertrinkende jemanden, der sie aus dem Wasser ziehe.

Fragen an den Prediger möglich

Die Kirchentagsgemeinde hatte die Möglichkeit, dem Kirchenpräsidenten online oder auf ausgelegten Notizzetteln Fragen zu seiner Predigt zu stellen. Eine Frage drehte sich um die beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dortmund angesprochene Möglichkeit, dass die Evangelische Kirche ein eigenes Rettungsschiff ins Mittelmehr senden wolle. In seinen Augen, so Jung, sei es derzeit vor allem wichtig, die Seenotrettungsschiffe zu unterstützen, die derzeit auf dem Mittelmeer unterwegs seien. Die Kollekte des Gottesdienstes war denn auch für die Seenotrettungsorganisation „Sae Watch“ bestimmt. Denn, so Dekanin Barbara Alt, an unüberwindlichen Grenzen der Festung Europa solle niemand, der flieht, scheitern.

Erdenbewohner sein

Dota Kehr fordert in ihrem Lied  „Grenzen“, die Grenzen zwischen den Menschen zu respektieren, die Grenzen zwischen Staaten aber wegen der damit verbundenen oft blutigen Konsequenzen einzureißen. Das Lied war nicht nur Grundlage für die Predigt des Kirchenpräsidenten, sondern auch für ein Anspiel der evangelischen Jugend aus dem Dekanat Grünberg. Darin möchte eine junge Frau beim Einwohnermeldeamt einen Erdenbewohner-Pass beantragen.

Erdenbewohnerpässe gab es anschließend tatsächlich. An einem Stand der evangelischen Jugend wurden die Papiere mit Passbild und Stempel ausgestellt. Für die Kinder und Jugendlichen gab es im Garten des Gemeindehauses und auf der Fläche hinter der Kirche mehrere Spiel- und Aktionsflächen. Mit Elektrizität aus Muskelkraft konnten Smoothies gerührt werden, aus einfachen Holzlatten wurden Liegestühle zusammengeschraubt und in einem Zelt war ein Escape-Room eingerichtet, aus dem man sich durch das Lösen von Aufgaben retten konnte.

Spiel ohne Grenzen

Aufgaben lösen mussten auch die Kandidatinnen und Kandidaten beim Spiel ohne Grenzen. Drei gemischte Teams mit je einem Mitglied aus einem der drei Dekanate hatten Fragen zu beantworten, bei denen es um Daten und Fakten aus dem kirchlichen Leben zwischen Limes und Vulkan ging. Dabei erwiesen sich alle drei Teams als gleich stark. Mit Geschick und Phantasie machten sie sich an den Brückenbau aus Papier und schafften es schließlich, die vom Publikum gesummten Kirchenlieder zu erkennen – Bonuspunkte gab es dabei für die, die auch noch die richtige Liednummer aus dem Gesangbuch nennen konnten. Moderatorin Dr. Angela Stender lobte abschließend die große Bereitschaft der Kandidatinnen und Kandidaten, sich in den die Dekanatsgrenzen überwindenden Teams zu bewähren – ein gutes Zeichen für die 2022 anstehende Dekanatsfusion.

Menschen, die Grenzen überwunden haben

„Grenzen überwinden“ war ebenfalls das Thema einer Talkrunde, in der Philipp van Slobbe (Pohlheim), Sigrid Jox und Ronja Füller darüber berichteten, welche Grenzen sie überwunden haben. Sigrid Jox kam nach dem Mauerfall 1989 nach Oberhessen. Die heute 60jährige, die Mitglied im Dekanatssynodalvorstand ist, erzählte Ökumenepfarrer Bernd Apel von ihrem Weg aus Sachsen nach  Ober-Bessingen im Dekanat Grünberg und den Folgen für ihr Leben. Philipp van Slobbe ging nach dem Abitur für ein Jahr in ein jüdisches Altenheim in den Niederlanden, dem Heimatland seines Vaters. Er hatte deshalb zwar keine Sprach-, aber Alters- aber auch historisch begründete Grenzen zu überwinden. Im Gespräch mit der Referentin für Öffentlichkeitsarbeit der Dekanats-AG, Dr. Angela Stender, von den Vorbehalten der einen und dem freundlichen Entgegenkommen der anderen Bewohner angesichts vor dem Hintergrund ihrer Erfahrungen mit Deutschen und Deutschland. Er kam mit der Erkenntnis zurück, dass die Geschichte der Shoa auch den kommenden Generationen weiter erzählt werden müsse. Die Grenzerfahrungen im Zusammenhang mit einer schweren Erkrankung waren das Thema von Dekanin Barbara Alt und ihrer Interviewpartnerin Ronja Füller. Diese Erfahrungen haben ihr Leben verändert. Sie nimmt nicht alles Gute als Selbstverständlichkeit und ist dankbar, dass sie heute als gesund gilt.

Segen vom Roboter

Viel Interesse fand der Segensroboter „BlessU2“, der in der Marienstiftskirche zu Gast war. Während die einen von der Möglichkeit des digitalen Segens eher abgestoßen waren, fanden andere die Worte und Gesten eher amüsant. Für Gesprächsstoff sorgte er allemal. Auch Orgelklänge gab es in der Kirche und einen Blick auf die Schätze der Marienstiftsbibliothek. An zahlreichen Ständen rund um die Bühne präsentierten sich Kirchengemeinden, die evangelischen Frauen oder der Lutherweg 1521.

Erst am späten Abend verließen die Letzten den Getränkepavillon vor der Stadtverwaltung.

Musik beim Gottesdienst:

Ein grenzüberschreitender Posaunenchor aus den drei Dekanaten unter Leitung von Christof Becker, eine Band bestehend aus den Dekanatskantorinnen Daniela Werner (Kirchberg), Anja Martinè (Grünberg) und Beatrix Pauli (Hungen) sowie dem Licher Kantor Christof Becker

Liturgie und Fürbitten beim Gottesdienst:
Dekanin Barbara Alt (Hungen), Dekan Norbert Heide (Grünberg) und Dekan Hans-Theo Daum (Kirchberg), Präses Annette Vogel (Kirchberg) und Präses Elke Sézanne (Grünberg)

Musik bei Kaffee und Kuchen:
Licher „Krainer-Trio“, das aber wegen Krankheit des Dritten „Krainers“ als Duo auftreten musste. Akkordeon und Gitarre waren aber auch ok!

Die Predigt des Kirchenpräsidenten

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