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Blühwiesen in vier Kirchengemeinden

Diese Wiesen sind anders schön

StenderSechs Personen mit großem Schild, Plakaten und einer großen PappbieneDoris Wirkner, Herbert Becker, Claudia Dörfler, Anette Kurth, Andreas Lenz und Markus Witznick präsentieren das Projekt "Bee friendly" in Treis

Insektensterben, Bienentod und Klimawandel machen Schlagzeilen. Vier Kirchengemeinden in den Dekanaten Grünberg, Hungen und Kirchberg engagieren sich jetzt ganz konkret für die Bewahrung der Schöpfung: Mit einer Insektenweide und umfangreichen Informationen dazu wollen sie mit dem Projekt „Bee friendly – Treffpunkt Biene und Co“ ein Zeichen setzen.

Bei einem Lokaltermin an der Treiser Kirche informierten Vertreter und Vertreterinnen der evangelischen Dekanate, der Kirchengemeinden und des Vereins GießenerLand über das Projekt, das aus dem Regionalbudget des Vereins finanziert wird. Neben Regionalmanagerin Anette Kurth vom Verein GießenerLand waren die Pfarrer Markus Witznick (Ober-Ohmen) und Dekanats-Jugendreferentin Claudia Dörfler (Lich) der Einladung von Doris Wirkner, Referentin für Gesellschaftliche Verantwortung und Bildung in den Dekanaten im Gießener Land nach Treis gefolgt.

Pünktlicher Schmetterlings-Besuch

An der Kirche Treis hat Landschaftsgärtner und Kirchenvorsteher Herbert Becker den Blühstreifen entlang der Natursteinmauer um den Kirchgarten angelegt. Auch die Konfis haben mit angepackt, um den Boden vorzubereiten. Der etwas mehr als einen Meter breite Streifen ist mit den Samen von mehr als 50 Pflanzen eingesät, die im Frühjahr aufgehen und im Verlauf des Sommers aufblühen werden. Darunter etwa das Gewöhnliche Ferkelkraut oder der Gewöhnliche Natternkopf. Letzterer bekommt zum Beispiel nachmittags gegen 15 Uhr pünktlich Besuch von Schmetterlingen. Beide Pflanzen finden in den Augen des gewöhnlichen Kleingärtners als „Unkraut“ häufig keine Gnade – für Insekten sind sie jedoch wichtige Nahrungsquelle. Pfarrer Andreas Lenz hofft besonders auf den Nachahmungseffekt des Blühstreifens im Treiser Kirchgarten.

Informationstafeln

Damit die Besucher und Passanten in Treis, Daubringen, Lich und Ober-Ohmen wissen, warum es in ihrem Kirchgarten plötzlich anders blüht, werden Informationstafeln aufgestellt. Darauf finden sich Informationen über Bepflanzung und Insekten sowie Informationen, wie man selbst eine Blühwiese einsähen kann.

An der modernen Kirche in Daubringen hat Pfarrer Traugott Stein bereits ein Insektenhotel eingerichtet. Die dort angelegte Blühwiese wird ihren Standortvorteil neben der Kita nutzen und sowohl Kirchenbesucher als auch Eltern und Kinder einladen, sich von dem Naturschauspiel begeistern zu lassen. Auf den Info-Tafeln werden Anregungen zu finden sein, wie etwa der eigene Garten wieder eine Heimat für Insekten werden kann.

Am Lutherweg in Ober-Ohmen

In Ober-Ohmen lädt die entstehende Blühinsel neben der Kirche Besucher und Pilger des Lutherwegs 1521 zum Verweilen ein. Das kommt Menschen und Insekten zugute. „Diese Wiese ist anders schön!“, heißt es dazu auf der Schautafel zum Projekt, die auch an den anderen Standorten steht. Von der üblichen Vorstellung einer schönen Blumenwiese wird sich diese unterscheiden. Wenn es hier im Herbst nicht mehr blüht, wird nicht gemäht, weil Insekten in den trockenen Stängeln überwintern und die Samenstände Kleintieren Nahrung geben. „Die Blühwiese lädt dazu ein, über die Schöpfung nachzudenken und über Artenvielfalt und den Umgang mit der Natur ins Gespräch zu kommen. Ökologisches Gleichgewicht ist eben nicht immer grün und bunt, aber anders schön, für Mensch und Natur,“ sagt Doris Wirkner, die Initiatorin des Projekts.

Anderer Blickwinkel nötig

Um diese andere Schönheit zu sehen, ist eine Änderung des Blickwinkels nötig. Das brachten die Konfirmanden im Rahmen des Erntedankgottesdienstes in der Marienstiftskirche in Lich zum Ausdruck, wo das Projekt vorgestellt wurde. Während der eine auf der winterlichen Fläche nur hässliches Gestrüpp sieht, kann die andere mit der entsprechenden Sichtweise erkennen, dass das Gleichgewicht zwischen Mensch und Tier nur erhalten werden kann, wenn die Natur Freiraum hat, sich zu entfalten. Dekanatsjugendreferentin Claudia Dörfler hat mit Kindern und Jugendlichen in der Kinderkirche und der Konfirmanden-Gruppe in Lich mit angepackt, um mit einem bunten Zaun und bunten Steinen die dort jetzt eingesäte Wiese hinter der Marienstiftskirche zu schützen.

Betreten verboten

Denn: „Diese Wiesen dürfen nicht betreten werden. Andernfalls können sich die über 50 verschiedenen regionalen Pflanzen nicht entfalten“, erläutert Doris Wirkner. Dass dabei regionales Saatgut zum Einsatz kommt, war ihr besonders wichtig. Denn die Natur auf unseren Feldern und in unseren Gärten ist Kulturlandschaft. Saatgut und Pflanzen, die allein für den menschlichen Bedarf gezüchtet werden, bieten kaum Lebensraum für Insekten, die die nicht nur Nahrungsgrundlage für viele andere Tiere, wie etwa Vögel sind, sondern über das Bestäuben von Fruchtpflanzen auch unsere Ernährung sichern. Vor allem den Bienen kommt dabei eine besondere Rolle zu: fast 80 Prozent aller Nutz- und Wildpflanzen werden von der westlichen Honigbiene bestäubt. Sie ist daher die Namensgeberin des Projekts.

„Mit den rund 1000 Quadratmetern Blühwiesen können wir die Welt können nicht retten,“ so Wirkner. „Aber wir können einen kleinen Beitrag dazu leisten, unseren Blickwinkel zu ändern und mehr Verantwortung für unser Handeln zu übernehmen.“

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