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Vom Feriengast zum Kurpastor auf Baltrum

Auch im November ist Zeit für die Insel

N. HeideZwei Männer in roten T-Shirts und einer in Verkleidung und mit Perücke in der MitteAuch die Mitwirkung im Kinderprogramm gehört zu den Aufgaben des Inselpastors

Im November lädt Dekan Norbert Heide regelmäßig zu „Tagen der Stille“ auf Baltrum ein. Das Angebot, eine Woche mit viel Andacht und Gebet auf der autofreien Insel zu verbringen, ist immer schnell ausgebucht. Er kennt die Insel aber auch von ihrer touristischen Seite: Seit vier Jahren ist er im Sommer und im Herbst als Kurpastor für die Seelsorge der Feriengäste zuständig.

Im Urlaub suchen Menschen möglichst viel Abstand von den Pflichten ihres Arbeitslebens. Nicht so Pfarrer und Dekan Norbert Heide. Er arbeitet im Urlaub einfach weiter. Als Kurpastor auf Baltrum hält er Andachten, spielt die Orgel, spricht mit Menschen über Gott und ihren Glauben.

Seit 25 Jahren Gast auf der Insel

In den Dienst als Kurpastor ist der Grünberger Dekan „reingerutscht“. Schon seit 25 Jahren ist die kleine Nachbarin von Norderney sein Urlaubsort. Dabei hat er auch das Pfarrerehepaar Friebe kennengelernt, ab und zu einmal Orgel gespielt und eine Andacht gehalten. Vor fünf Jahren wurde er von den aktuellen Inselpastoren Anna Henken und Johannes Heiber gefragt, ob er nicht für einige Ferienwochen als Kurpastor auf die Insel kommen wolle.

Zwei Wochen Freistellung

2017 wurde es dann offiziell: Das Landeskirchenamt Hannover forderte ihn als Kurpastor an, die Kirchenverwaltung in Darmstadt erteilte die Genehmigung. Sonderurlaub gewährt die Landeskirche allerdings nur für zwei Wochen. Wenn Norbert Heide so wie in diesem Jahr vier Wochen in den Sommerferien und zwei Wochen in den Herbstferien seinen Dienst auf der Insel versieht, sind also vier Wochen davon sein eigener Jahresurlaub.

Andachten an jedem Wochentag

Und was macht ein Kurpastor auf Baltrum? In den Jahren 2017 bis 2019 stand montags und freitags eine Andacht in der Kleinen Inselkirche und dienstags ein Themenabend auf dem Programm. Beim Themenabend gab es zum Beispiel Vorträge und Filme oder gemeinsamen Gesang. Mit diesem Angebot erreichte er wöchentlich rund 120 Personen. Seit 2020 ist die Kleine Inselkirche gesperrt – für die Abstandsregeln unter Corona-Bedingungen erwies sie sich als zu klein. So fanden die Andachten mit dem Kurpastor 2020 und 2021 in der großen Kirche statt, und zwar von Montag bis Freitag um 10 Uhr. Auch am Sonntag gibt es eine Andacht zur Gottesdienstzeit. In den Andachten an den Wochentagen konnte Pfarrer Heide jeweils 25 bis 30 Personen begrüßen.

Weitere Aufgaben sind das Auf- und Abschließen der Kirche und die Vorbereitung des Kerzentischs. Der Kerzentisch wird rege genutzt: 50 brennende Teelichter am Tag sind keine Seltenheit. Und „wenn kein Organist da ist, spiele ich auch mal selbst die Orgel“, erzählt Norbert Heide.

Tiefergehende Gespräche und freundschaftliche Kontakte

Samstags hat der Kurpastor also frei. Allerdings nicht ganz, denn „samstags treffen sich die Insulaner zum Tee und zum Klönen im oder vor dem Gemeindehaus“. Und da ist der erklärte Teetrinker gern dabei. Viele der Menschen, die dort zusammenkommen, kennt Heide schon seit vielen Jahren. Und so sind hier auch tiefergehende Gespräche möglich. Einige der Kontakte, die er in seinen 25 Jahren auf Baltrum geschlossen hat, pflegt er auch von Grünberg aus.

Ausgleich zum Berufsalltag in Grünberg

Trotz dieser Verpflichtungen empfindet Norbert Heide den Dienst als Kurpastor als Ausgleich zu seinen vielfältigen verantwortungsvollen Aufgaben als Dekan und Schulpfarrer in der Theo-Koch-Schule – und Erholung findet er ebenfalls genügend. Den persönlichen Wohlfühl-Faktor erhöht die „wunderbare“ Versorgung, die er im EC-Freizeit-Haus „Sonnenhütte“ genießt. Auch wenn er dort mittlerweile auch in das seelsorgerliche Programm, wie zum Beispiel das Ferienangebot für die Kinder,  einbezogen wird, bleibt genügend Zeit für Lektüre, Spaziergänge oder Fahrradfahren. Und außerdem werde im Sommer auch einiges geboten. Im Haus des Gastes gibt es Theateraufführungen und Filme, Musik und Shantychor. „Wenn der Kurpastor zu den Veranstaltungen kommt, freuen die sich auch“, hat Heide festgestellt.

Er schätzt die Überschaubarkeit

Nach 25 Jahren kennt er jeden Weg und jeden Winkel der Insel, die in drei Stunden zu Fuß zu umrunden ist. Dieses Bekannte und die Überschaubarkeit, das „freundliche Miteinander“ und das eher bodenständige Publikum locken ihn immer wieder hierher. „Es ist wie so eine Sucht“, gibt er zu. „Wer nach Baltrum kommt, kommt entweder einmal und nie wieder oder einmal und auf ewig.“

Und deshalb ist er auch in diesen Tagen wieder auf der Insel. Er genießt die im November so andere Stimmung, wenn es grau und windig sein kann, fast alle Geschäfte und Gaststätten geschlossen sind und vom Trubel der Feriensaison nichts mehr zu spüren ist.

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