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Kirchenpräsident diskutiert im Laubach-Kolleg über Digitalisierung

Keine Angst vorm Digitalen

StenderDigitales war Thema im Laubach-KollegDigitales war Thema im Laubach-Kolleg

Den Herausforderungen der Digitalisierung sollte man ohne Angst, aber mit kritischer Distanz begegnen. Diese Überzeugung vertrat Kirchenpräsident Dr. Dr. h.c. Volker Jung bei einem Podiumsgespräch im Laubach-Kolleg. Im Oberstufengymnasium der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) diskutierte Jung mit Schülerinnen und Schülern über „Herausforderungen, Chancen und Risiken der Digitalisierung“.

Digitales gehört im Unterricht am Laubach-Kolleg längst dazu: Vieles läuft über Beamer und Tablet. Wie das im Schulalltag aussieht, hatte sich der Kirchenpräsident vor der Podiumsdiskussion im Chemie- und Spanischunterricht angeschaut. Digital ist auch ein großer Teil der Freizeit des mehrheitlich jugendlichen Publikums in der Kollegs-Aula besetzt: Weit mehr als die Hälfte nutzt Facebook, wesentlich weniger lesen täglich Zeitung. Snapchat, Whatsapp, Instagram runden für viele das tägliche digitale Programm ab. Zu den Facebook-Nutzern gehört auch der Kirchenpräsident; allerdings ausschließlich aus beruflichen Gründen. Für die Kommunikation mit der Familie findet er Whatsapp sehr praktisch, verriet er seinen Zuhörern.

Er habe sich zunächst auf Druck der Öffentlichkeitsarbeit auf Facebook angemeldet, gibt er zu. Mittlerweile interessierten sich mehr als 1000 Menschen für die Posts von @kirchenpräsident. Und die versteht er nicht als Selbstdarstellung, sondern als weitere Möglichkeit zur Kommunikation. Allerdings: „Arbeit ist es schon“. Natürlich gebe es nach wie vor Menschen, die nichts davon hielten, dass sich Kirche auch hier präsentiere. Jung hält aber nichts davon, die Kirche als Raum der Stille, abseits von den Räumen und Möglichkeiten moderner Kommunikation, zu erhalten. Er wünsche sich vielmehr eine Start-up-Mentalität in der Kirche. Ausprobieren, scheitern und aus dem Scheitern lernen, das sei sehr wohl mit dem evangelischen Ethos vereinbar, meint der Kirchenpräsident.

Nicht nur in dieser Aussage schlägt sich ein Aufenthalt im amerikanischen Silicon Valley nieder, für den seine Gesprächspartner großes Interesse zeigen. Positiv bewertet Jung die Dynamik und Experimentierfreude, die er dort erlebt habe, die Nutzerorientierung und die Neustarts, wenn mal was nicht geklappt hat. Gleichzeitig distanziert er sich aber von dem quasi religiösen Anspruch bis hin zu Welterlösungsphantasien, die dort mancher mit der Digitalisierung verbinde.

Die unkomplizierte Kommunikation mit Freunden und Familie, die schnelle Verfügbarkeit von Informationen, die Darstellung eigener Positionen und die Beteiligung an relevanten Diskussionen  – Möglichkeiten, die die Gruppe auf dem Podium genauso wie das Publikum im Saal gern nutzen. Weitgehende Einigkeit herrscht auch über die Gefahren der zunehmenden Nutzung digitaler Angebote: Einseitige Information, Preisgabe von persönlichen Daten, Suchtverhalten. „Das Netz vergisst nichts“, begründet der stellvertretende Schulsprecher Nils Endregat seine Abstinenz von Facebook und Twitter. Für den Schüler Amir Ali Azizi überwiegen dagegen die Vorteile von Facebook: Die Plattform erlaube ihm den Kontakt mit seiner Familie. Auch Verbindungslehrerin Esther Ohl sieht vor allem den Nutzen sozialer Netzwerke. Schließlich könne man selbst bestimmen, wie viel man über sich selbst verrate.

Über rote und grüne Karten konnte sich auch das Publikum an der Diskussion beteiligen. Roboter statt Lehrerin? Der Mathelehrer als Facebook-Freund? Bei diesen Fragen gab es wesentlich mehr rote als grüne Karten. Hier sind also klare Grenzen erwünscht und echte menschliche Beziehungen werden der Abwicklung aller Beziehungen in einem undurchschaubaren System vorgezogen.

Trotz oder gerade wegen der unabsehbaren Möglichkeiten der Digitalisierung und der Entwicklung von künstlicher Intelligenz sei kritische Distanz angesagt, betont der Kirchenpräsident. Von der Vorstellung der kompletten Verfügbarkeit von menschlicher Erinnerung hält er nichts. Auch wenn er sich im morgendlichen Unterrichtsbesuch in der Chemiestunde gern an Einzelheiten aus seinem eigenen Chemieunterricht erinnert hätte, ist er doch überzeugt: „Es gibt ein Recht auf  Vergessen“.  

Dieses Recht hätten die Schülerinnen und Schüler ihrer Schulleiterin Ellen Reuther im Anschluss an den Dank an den Kirchenpräsidenten wahrscheinlich gern zugebilligt. Sie vergisst jedoch nicht, an die Fortsetzung des Unterrichts am Nachmittag zu erinnern. Nach dem Unterricht dürften einige nachgeschaut haben, was der Kirchenpräsident  über seinen Termin im Laubach-Kolleg auf Facebook postet. Ganz analog freuten sie sich mit der Schulleiterin über sein abschließendes Lob an die Adresse des Laubach-Kollegs: „Ich bin stolz auf diese Schule“.

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