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Lebhafter erster Internet-Gottesdienst in Hungen

Gottesdienst mit Gruß aus Moskau

StenderGottesdienst digital und analog in HungenGottesdienst digital und analog in Hungen

Aus Moskau und New York, Bad Vilbel und aus dem „eigenen Garten in Hungen“ kamen die Grüße zum ersten „Sublan“-Gottesdienst in der Hungener Stadtkirche. Obwohl die allermeisten der im Internet heimischen Zielgruppe am Sonntagmorgen um halb zehn noch ausschlafen und die Sommersonne die Entscheidung für einen Gottesdienstbesuch nicht erleichtert, waren die Bänke in der Hungener Stadtkirche gut gefüllt.

Scheinwerfer auf der Empore, mehrere Kameras vom Evangelischen Medienhaus in Frankfurt im Kirchenraum verteilt und in den Bänken einige Gottesdienstbesucher und –besucherinnen, die eifrig auf ihren Smartphones tippen. Das alles begleitet einen Gottesdienst, der bis zur Predigt in traditioneller Form gefeiert wird. Pfarrer Marcus Kleinert und Vikarin Lisa Heckmann tragen Talar und Beffchen, Elke Kleinert begleitet Liturgie und Gemeindelieder auf der Orgel. Das Geschehen im Netz und die Texte für die Gemeindelieder werden an die Wand hinter dem Altar projeziert.

Gleich zu Beginn informiert Pfarrer Rasmus Bertram, der „Erfinder“ der interaktiven „Sublan“-Gottesdienste darüber, was die Gemeinde heute erwartet. Jeder und jede im Kirchenraum und im weltweiten Netz kann sich durch eigene Beiträge am Gottesdienst beteiligen.

Nachdem der Predigttext des Sonntags verlesen ist – die Geschichte von Josef und seinen Brüdern aus 1. Mose 50, Verse 15-21, können Gedanken und Fragen zum Text über die Seite von sublan.tv gepostet werden. Die Grundfragen aus dem Text nach Schuld und Vergebung sprechen Marcus Kleinert und Lisa Heckmann in kurzen Wortbeiträgen an. Währenddessen poppen an der Wand hinter dem Altar die ersten Beiträge aus dem Netz auf. Muss und kann man immer vergeben? Heißt vergeben auch vergessen? Bedeutet Vergebung nicht auch die Zustimmung zum vorausgegangenen Vergehen? Der Pfarrer und die Vikarin reagieren besonnen und nachdenklich auf die Gedanken und Fragen. Vergebung, so Lisa Heckmann, ist ein Prozess und keine einmalige Handlung. Vergebung gibt dem Opfer wieder die Möglichkeit zu handeln, findet sie. Marcus Kleinert betont, dass Vergeben nicht Vergessen bedeutet: „Das Geschehene bleibt Teil der Geschichte“.

Beim Thema Schuld und Vergebung bleiben am Sonntag nach den Hamburger Krawallen rund um den G20-Gipfel auch diese Ereignisse nicht ausgespart. Ein Beitrag fragt, wie schwer es jemandem, dessen Auto angezündet wurde, wohl fallen werde, dem wahrscheinlich unbekannt bleibenden Brandstifter zu vergeben.

Die Leidtragenden und Betroffenen der Ausschreitungen in Hamburg stehen an erster Stelle bei den Fürbitten, die kurz darauf im Livefeed an der Kirchenwand zu lesen sind. Bitten um Beistand für Polizisten, Sanitäter und Feuerwehrleute und Ihre Familien, aber auch Bitten für die, die Schaden angerichtet haben, kommen herein. Man wünscht sich Gespräch statt Gewalt und Solidarität der reichsten Länder mit den ärmsten.

Beim Orgelnachspiel fällt unser Blick auf die Fragebögen der beiden älteren Gottesdienstbesucherinnen vor uns. In der rechten Spalte, wo Zustimmung bekundet werden kann, finden sich auffällig viele Kreuzchen – den Damen hat es also gefallen. Skeptischer dagegen der Kommentar eines Hungeners mittleren Alters: Er sei eher konservativ und habe noch etwas Schwierigkeiten mit dieser Mischung. Andererseits sei es dringend notwendig, neue Gottesdienstformen auszuprobieren. Angesichts der geringen Besucherzahlen an normalen Sonntagen „muss ja was passieren“.

In Hungen kann man sich darauf einstellen, dass es weitere Internet-Gottesdienste geben wird. Die Idee hinter den sublan-Gottesdiensten ist es nämlich, nach dem ersten Anstoß mit technischer Unterstützung durch das sublan-Team die Gemeinden in eigener Regie weiter mit dem Format arbeiten zu lassen. Ob das dann genauso aussehen wird wie bei der ersten Auflage, hängt von der Auswertung der Fragebögen ab. Bei einem netzaffinen Gemeindepfarrer wie Marcus Kleinert dürfte es nicht mehr lange dauern, bis die Aufforderung kommt, sich wieder in einen Hungener Gottesdienst einzuklinken – ob aus Moskau, New York oder daheim, aus dem Garten.

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