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Blog aus Griechenland - Teil 3

Deutsch für Geflüchtete in Griechenland

bbiewDeutsch-griechische Flüchtlingskonsultationen

Ehrenamtliche aus verschiedenen Flüchtlingsinitiativen im Bereich der beiden Landeskirchen Hessen und Nassau sowie Kurhessen-Waldeck informieren sich zurzeit vor Ort über die Situation der Flüchtlinge in Griechenland und die Arbeit der griechischen Flüchtlingsinitiativen. Organisiert wurde die Reise vom Zentrum Oekumene und der Diakonie Hessen. Berndt Biewendt berichtet über die Begegnungsreise in einem Blog.

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Griechenland ist für die  meisten Flüchtlinge nur eine Durchgangsstation, Deutschland aber ist ihr Ziel. Das machten die griechischen Initiativen bei einem gemeinsamen Workshop mit den Deutschen deutlich. Und das hat Auswirkungen auf ihre Arbeit. So bietet die Initiative Naomi Deutschunterricht für syrische Flüchtlinge an, die ein Anrecht auf Familienzusammenführung mit Verwandten in Deutschland haben. Unterricht werden sie von Wassiliki Tosounidou. Die 31jährige Deutsch-Griechin ist in Flensburg aufgewachsen und lebt seit einigen Jahren in Thessaloniki. „Ich kann kein Arabisch und verständige mich mit Mimik, Gestik und den Augen“, erläutert sie ihre Unterrichtsmethode. Ihre Erfahrung: je länger die Syrer auf den Bescheid aus Deutschland warten müssen, desto trauriger werden sie. „Manchen sind durch das lange Warten regelrecht deprimiert, weil sie nicht wissen, wann sie ausreisen können“, berichtet Wassiliki.  

Aleppo – Berlin und zurück

Einer, der es nach Deutschland geschafft hat, jetzt aber in Griechenland festhängt, ist Safwan Hamido. Der 35jährige stammt als  Aleppo, flüchtete 2015 nach Deutschland und bekam dort als Kriegsflüchtling vorläufigen Schutz. Die Versuche, seine in Aleppo gebliebene Frau telefonisch oder per E-Mail zu erreichen, schlugen fehl. Safwan fürchtete, dass sie getötet wurde. Er wollte Gewissheit und hielt es nicht mehr in Berlin aus. Bevor seine Anhörungen abgeschlossen waren waren, schlug er sich von Deutschland nach Syrien durch. Seine Frau und die beiden Kinder im Alter von  9 und 8 Jahren fand er in einem zerbombten Haus in Aleppo. Mit ihnen flüchtete er erneut über die Türkei nach Griechenland, wo die Familie ein drittes, heute sechs Monate altes Kind bekam. In Thessaloniki ist für ihn und seine Familie vorerst Endstation. Ob sein Antrag, wieder nach Deutschland reisen zu können, bewilligt wird, ist ungewiss. Safwan ist ausgebildeter Schneider und arbeitet derzeit in der von Naomi betriebenen Textilwerkstatt.

Wenn der Krieg vorbei ist

Das machte der gemeinsame Workshop deutlich: die griechischen Flüchtlingsinitiativen haben es oft mit Geflüchteten zu tun, die eigentlich weiter wollen, aber nicht weiter können, während die deutschen Ehrenamtlichen Geflüchtete begleiten, die - zumindest vorerst - bleiben wollen. Eine Erfahrung ist aber beiden gemeinsam: Alle Syrer, gleich welches Zufluchtsland sie gefunden haben, betonen, dass sie in ihre Heimat zurück wollen, wenn der Krieg vorbei ist.

Starke Frauen

Auch die evangelischen Frauen von Kavala  im Osten Griechenlands haben ihre Aktivitäten den neuen Bedingungen angepasst. Im Jahr der großen Fluchtbewegungen 2015 und noch bis zum März 2016 engagierten sie sich bei der Erstversorgung von Flüchtlingen. „Im Hafen von Kavala liefern die Fährboote ein, die Bugklappe ging auf und wir sahen tausende und abertausende Menschen, die mit zerschlissenen Schuhen, manche barfuß , aber alle durstig und hungrig an Land gingen“, berichteten Corrinna und Olympia bei dem Workshop. Sie gehören der Diaspora-Gemeinde von Kavala an, die zur evangelischen Kirche deutscher Sprache in Thessaloniki gehört. Die Frauen verteilten Getränke, Essen, Kleidung, Schuhe. „Eigentlich alles, was die Flüchtlinge gebrauchen können. Und das ging innerhalb weniger Minuten weg. Die Stadtverwaltung hielt sich heraus. Die Bürgermeisterin von Kavala ließ sich nur blicken, wenn das Fernsehen kam“, erinnern sich die beiden Frauen aus Kavala. Heute haben sie und ihre Mitstreiterinnen für geflüchtete Frauen und ihre Kinder, die in und um Kavala in Lagern leben, einen Treffpunkt eingerichtet und bieten dort  ihre Unterstützung an.

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