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Evangelisch im Gießenerland

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Religion und Kultur Thema auf dem blauen Sofa

Bildung und Dialog als Schlüssel zum Verstehen

StenderBernd Apel, Nezaket Polat und Doris WirknerAuf dem blauen Sofa: Bernd Apel, Nezaket Polat und Doris Wirkner

Das blaue Sofa blieb beim zweiten Gesprächsabend zum Thema „Was ist drin im Kulturbeutel?“ daheim. Im „Sozialen Ort für alle (SOFA)“ der Diakonie in Grünberg saßen Ökumenepfarrer Bernd Apel und die in Laubach lebende Alevitin Nezaket Polat auf dem blauen Plüschmöbel. Unter der Gesprächsleitung von Doris Wirkner sprachen die beiden über das Verhältnis von Religion und Kultur.

Wie bunt die Welt der Religionen und Kulturen im Gießenerland gegenwärtig ist, machte Pfarrer Bernd Apel deutlich: Alle sieben Weltreligionen sind hier zu finden. Und die seien wiederum in unterschiedlichen Ausrichtungen anzutreffen, erläuterte der Fachmann für Ökumene. Neben den christlichen Konfessionen, den Muslimen, Juden und Buddhisten gebe es auch 200 bis 300 Hindus und rund 60 Angehörige der Bahai-Religion.

Apel erinnerte daran, dass es auch in Deutschland noch nicht lange her ist, dass Religion oder Konfession die Kultur einer Region bestimmten, etwa, wenn in einer rein evangelischen Gegend ein junger Mann eine katholische Braut nach Hause brachte. Als dies in seiner Familie geschah, habe die Großmutter die junge Frau nur „die Katholische“ genannt. Heute seien diese interkonfessionellen Ehen kein Problem mehr.

Als Nezakat Polat mit einem Jahr nach Deutschland kam, hatte sie als Kind in Marburg das Gefühl, dass alle ausländischen Familien in ihrem Viertel „irgendwie“ zusammen gehörten. Über Religiosität habe man damals in ihrer Familie nicht gesprochen – als Aleviten habe man sich in der Türkei nach außen hin möglichst nicht zu erkennen gegeben. „Spirituell werden Aleviten erst im frühen Erwachsenenalter“, erläuterte Polat, die als Lehrerin an einem Schulbuch für alevitischen Religionsunterricht mitarbeitete. Sie genießt das Leben in einem Land, in dem sie nicht auf die Zugehörigkeit zu ihrer Religion reduziert wird. Diese Freiheit ist „als Wert ganz hoch zu achten und zu verteidigen“, findet sie. Für ihre Tochter wünscht sie sich „eine Gesellschaft, in der sie umgeben ist von toleranten Menschen“.

Die etwa 20 Zuhörer im „Sofa“ erfuhren von der lebhaften Frau viel über die Unterschiede zwischen Alevitentum und Islam. Besonders wichtig ist ihr, dass Männer und Frauen in den Versammlungen im „Cem“-Haus gleichberechtigt sind. Die muslimischen Fastenregeln und die „Fünf Säulen“ des Islam spielen für die Aleviten auch keine Rolle. Das alles seien Gründe für die Ablehnung dieser Religion durch die sunnitische Mehrheit in der Türkei.

Bildung und Dialog sind für beide Diskutanten auf dem Sofa der Schlüssel zu religiöser und kultureller Koexistenz in einer freien und demokratischen Gesellschaft. Im 2006 gegründeten „Rat der Religionen“ pflegen Vertreter der in Mittelhessen ansässigen Religionsgemeinschaften und Konfessionen den Dialog und fördern die religiöse Bildung.

Mit der „Ringparabel“ aus Gotthold Ephraim Lessings Stück „Nathan der Weise“ fand der Abend im und auf dem „Sofa“ sein Ende - eine Geschichte, die in jeden Kulturbeutel gehört.

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